Kunden verzichten meist auf Flugentschädigung

9. Juli 2015, 12:50
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Nur zehn Prozent der anspruchsberechtigten Fluggäste kennen ihre Rechte, lediglich zwei Prozent nehmen sie wahr

Potsdam – Auch im Flugverkehr sind Verspätungen, Überbuchungen oder Annullierungen von Flügen keine Seltenheit. Fluggäste haben in diesen Fällen bestimmte Rechte (siehe dazu die Seiten der AK Oberösterreich), die von der EU-Fluggastverordnung geregelt werden.

Glaubt man refund.me, so schenken Österreichs Fluggäste den Airlines fast zwei Tage ihrer Arbeitszeit, wenn sie ihre Entschädigungsansprüche nicht geltend machen. Der Entschädigungsdienstleister hat einen internationalen Vergleich angestellt und befunden, dass die Österreicher diesbezüglich recht großzügig sind.

Demnach sind lediglich zehn Prozent aller anspruchsberechtigten Passagiere über ihre Rechte informiert, nur zwei Prozent machen sie auch geltend. Dabei müssen Fluggesellschaften immerhin 250 bis 600 Euro ihren Kunden erstatten, wenn sie durch Verspätungen, Annullierungen und Umbuchungen ursprüngliche Flug- und Zeitpläne nicht einhalten können.

Mangelnde Informationspolitik

Dass die Airlines den betroffenen Passagieren den Kampf um eine Entschädigung oft nicht leicht machen, liegt dabei auf der Hand. "Durch die mangelnde Informationspolitik der Airlines wissen nur die wenigsten Passagiere, dass sie Anspruch auf Entschädigung haben", erklärt Eve Büchner, Gründerin und Geschäftsführerin von refund.me. "Wer sich im Wissen um seine Rechte dennoch an die Gesellschaften wendet, wird nicht selten hingehalten und im endlosen Papierkrieg mürbe gemacht. Und trotzdem: Wer es nicht versucht, schenkt den Airlines bares Geld und wertvolle Lebenszeit."

Der Blick auf die entsprechenden Berechnungen zeigen, dass das gar nicht so wenig ist: Bei einem Durchschnittslohn von 17,22 Euro bescheren österreichische Passagiere, die auf ihre Entschädigung verzichten, den Fluggesellschaften 14,5 Arbeitsstunden – also knapp zwei Arbeitstage. Bei den Nachbarn aus der Schweiz ist das gespendete Zeitvolumen mit 13,3 etwas kleiner, denn hier liegt das durchschnittliche Lohnniveau mit 18,06 Euro ein wenig höher als in Österreich. Die Nachbarn aus Deutschland hingegen verschenken mehr Arbeitszeit an die Fluglinien als die Österreicher, denn das durchschnittliche Lohnniveau beträgt dort nur 15,63 Euro pro Stunde. Somit verlieren die Deutschen zwei volle Tage. (red, 9.7.2015)

  • Am Flughafen übernachten ist meist kein richtiges Vergnügen.
    foto: ap/vedder

    Am Flughafen übernachten ist meist kein richtiges Vergnügen.

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