Guineischer Ex-Junta-Chef Camara offiziell beschuldigt

9. Juli 2015, 11:58
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Ermittlungen wegen brutaler Niederschlagung von Kundgebung 2009

Conakry – Rund sechs Jahre nach der brutalen Niederschlagung einer Oppositionskundgebung in Guinea mit zahlreichen Toten hat die Justiz des westafrikanischen Landes den früheren Junta-Chef Mussa Dadis Camara offiziell beschuldigt. Zwei Richter und ein Staatsanwalt aus Guinea befragten Camara am Mittwoch mehr als zwei Stunden lang in einem Gericht in Ouagadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso.

Dort lebt der Ex-Machthaber seit 2010 im Exil. Wie sein Anwalt, Jean-Baptiste Jocamey Haba, der Nachrichtenagentur weiter AFP sagte, ging es bei der Befragung um Camaras Verstrickung in die Ereignisse am 28. September 2009.

56 Tote bei Kundgebung

Die Armee von Guinea war damals äußerst brutal gegen eine Kundgebung der Opposition in einem Stadion der Hauptstadt Conakry vorgegangen. Nach Angaben der Regierung wurden dabei 56 Zivilisten getötet und 934 Menschen verletzt. Menschenrechtsgruppen in dem Land sprechen von 157 Toten und 1.200 Verletzten. Soldaten sollen Frauen in dem Stadion und auf offener Straße vergewaltigt und gequält haben. Dutzende Menschen gelten als vermisst.

Nach Auffassung der Vereinten Nationen beging die Militärjunta bei der Niederschlagung der Kundgebung "Verbrechen gegen die Menschlichkeit". Als einer der Hauptverantwortlichen gilt Camara, der jedoch mehrfach bestritt, für den blutigen Einsatz der Armee verantwortlich zu sein. Die guineische Justiz untersucht die Vorfälle, Hunderte Zeugen sagten bereits aus.

Ein Sprecher der neu formierten Partei Camaras, der Patriotischen Front für Demokratie und Entwicklung (PFDD), nannte die Befragung Camaras eine "rein politisch" motivierte Reaktion auf die Ankündigung des Ex-Junta-Chefs, bei den für Oktober angesetzten Präsidentschaftswahlen zu kandidieren. Camara hatte im Mai seine Pläne für eine Kandidatur bekannt gegeben. Camara war 2008 nach dem Tod des langjährigen Staatschef Lansana Conte in Guinea an die Macht gekommen. Nach einem Attentat, bei dem er verletzt wurde, floh Camara schließlich ins Ausland. (APA, 9.7.2015)

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