Merkel lobt Serbien für Kosovo-Dialog

8. Juli 2015, 21:20
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Deutsche Kanzlerin sagt Unterstützung bei Flüchtlingsproblem zu

Belgrad/Berlin/Prishtina (Pristina) – Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat am Mittwochabend in Belgrad die Kompromissbereitschaft Serbiens im Normalisierungs-Dialog mit dem Kosovo gelobt: Den Bemühungen müsse man Anerkennung zollen. Auch sei dies in den früheren Jahren nicht so gewesen, stellte Merkel bei einer Pressekonferenz mit ihrem serbischen Amtskollegen Aleksandar Vucic fest.

"Wir werden dies positiv bewerten", unterstrich Merkel mit Blick auf die EU-Annäherung Serbiens. Wann der Beitrittskandidat mit der Eröffnung erster Kapitel bei den Beitrittsverhandlungen rechnen könnte, ließ sie offen. Die deutsche Bundeskanzlerin fand lobende Worte auch für die "neue Qualität" der Beziehungen zwischen Albanien und Serbien. Dies sei vor einigen Jahren nicht möglich gewesen und müsse fortgesetzt werden.

Merkel versprach ihre Unterstützung für die laufenden Wirtschaftsreformen. In Serbien sei die Situation ganz anders als in Griechenland. Seine Regierung habe sich zu schwierigen Reformen entschlossen, so Vucic.

Der Premier bedankte sich bei Merkel als "Schlüsselfigur bei der Stabilisierung der Verhältnisse auf dem Balkan". Auch habe die deutsche Bundeskanzlerin immer, wenn Serbien Probleme gehabt habe, eine Art und Weise gefunden, dem Land zu helfen. "Wir bitten Deutschland nicht um die Almosen, sondern um Hilfe – auch in Sachen Know-how", sagte Vucic. Er hat zwei deutsche Experten in seinem Umfeld.

Der Regierungschef bekräftigte die Entschlossenheit, den europäischen Weg fortzusetzen. Er habe Merkel jedoch nicht um die Eröffnung eines ersten EU-Beitrittskapitels gebeten. Die EU hatte Anfang 2014 die Beitrittsgespräche mit Belgrad formell aufgenommen, ohne bisher ein einziges Beitrittskapitel zu öffnen.

Merkel sagte Serbien Hilfe bei der Bewältigung der steigenden Flüchtlingszahlen zu. "Serbien ist mit 1.000 Flüchtlingen am Tag zum Transitland geworden", sagte die Kanzlerin. "Wir werden diesen Ländern helfen müssen", versprach sie auch mit Blick auf das benachbarte Ungarn, in dem allein in diesem Jahr 60.000 Asylsuchende angekommen seien. "Wir brauchen die Hilfe Europas und Deutschlands", meinte Vucic zu dem Thema.

Die deutsche Bundeskanzlerin soll Donnerstagfrüh mit dem serbischen Staatspräsidenten Tomislav Nikolic zusammenkommen, bevor sie zu einem ersten Besuch in die bosnische Hauptstadt Sarajevo abreisen wird. Ihre Westbalkan-Reise hatte sie am Mittwoch in Albanien begonnen. (APA, 8.7.2015)

  • Premier Aleksandar Vucic und Kanzlerin Angela Merkel inspizieren die Ehrengarde
    foto: epa/koca sulejmanovic

    Premier Aleksandar Vucic und Kanzlerin Angela Merkel inspizieren die Ehrengarde

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