Sorgerechtsstreit: Zwei Kinder müssen nicht nach Spanien

8. Juli 2015, 17:23
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Jubel der Sympathisanten vor dem Bezirksgericht Grmunden – Entscheidung noch nicht endgültig

Gmunden/Mallorca – Aus der geplanten Rückführung zweier Kinder zu ihrem Vater nach Spanien ist Freitagnachmittag im Bezirksgericht Gmunden nichts geworden. Der Richter entschied, dass die Kinder bei ihrer Mutter bleiben können. Das löste bei der Familie Erleichterung aus, vor dem Gericht wartende Sympathisanten jubelten. Der Anwalt der Mutter schränkte allerdings ein: Die Entscheidung sei noch nicht endgültig.

Dem Gerichtstermin ging ein seit Jahren andauernder Rechtsstreit der Eltern um ihre Kinder voraus: Das zwölfjährige Mädchen und der zehnjährige Bub waren mit ihrer Mutter im November 2013 von Mallorca nach Österreich übersiedelt – gegen den Willen des Vaters, der sich mit seiner in Scheidung lebenden Frau das Sorgerecht teilte, und ohne Genehmigung durch das zuständige Gericht in Spanien. Der Mann beantragte die Rückführung nach dem Haager Übereinkommen über die zivilrechtlichen Aspekte internationaler Kindesentführung. Die Kinder, die in Österreich die Schule besuchen, gaben an, lieber hierbleiben zu wollen.

Das Erstgericht wies den Rückführungsantrag des Vaters ab, das Landesgericht Wels als zuständige nächsthöhere Instanz änderte diese Entscheidung aber ab und gab dem Begehren des Vaters statt. Der Oberste Gerichtshof wies den dagegen erhobenen Revisionsrekurs der Mutter zurück. Er argumentierte, es handle sich um eine Ermessenssache, es könnte auch gegen den Willen der Kinder entschieden werden. Für Freitag war daher in Gmunden ein Gerichtstermin für die Übergabe der Kinder an den Vater angesetzt.

Vor dem Bezirksgericht herrschte eine aufgeheizte Stimmung: Zahlreiche Freunde und Bekannte der Familie hatten sich versammelt, um gegen die Übergabe zu demonstrierten und drohten, sie zu verhindern. Eingelassen wurden sie nicht. Ihnen stand ein Polizeiaufgebot gegenüber. Die Beamten forderten die Menge zur Besonnenheit auf, was diese letztlich befolgte.

Schon vor dem Termin hatte die Mutter angekündigt, dass die Kinder gegen ihre Rückführung Widerstand leisten würden. Der Richter könnte diese dann deswegen aussetzen. Nach drei Stunden im Gericht kam die Nachricht: Die Kinder können bei der Mutter bleiben. Als die drei herauskamen, brach Jubel und lang anhaltender Applaus bei den Sympathisanten aus. Es gab Umarmungen und Freudentränen.

Die Mutter dankte für die Unterstützung und sagte: "Die Kinder waren großartig. Sie haben ihren Willen durchgesetzt, da zu bleiben. Wir sind viel stärker und auch gescheiter geworden. Jetzt gehen wir feiern. Und wir werden schauen, dass sich das Verhältnis zum Vater wieder einrenkt."

Auch ihr Anwalt Marco Nademleinsky, dem für seinen Einsatz gedankt wurde, betonte: "Die Kinder sind die eigentlichen Helden dieser Geschichte". Er schränkte ein, der Vater könnte einen neuerlichen Antrag auf Vollzug der Rückführung stellen. Auch das Gericht könnte erneut von Amtswegen tätig werden. Das würde allerdings bekämpft und dabei auf die Vorfälle am Freitag im Gericht verwiesen werden. Das Verhalten des Vaters dabei beschrieb er mit: "Ich weiß gar nicht was ich dazu sagen soll." Er sei mit den Kindern, die klar erklärt hätten, nicht mit ihm gehen zu wollen, sehr laut geworden und habe versucht, sie mit sich zu zerren. Sie hätten sich allerdings dagegen heftig gewehrt.

Der Vater musste das Gericht unverrichteter Dinge verlassen. Die Polizei forderte die wartende Menge auf, ihm die Abfahrt durch einen anderen Ausgang ohne Vorfälle zu ermöglichen, was auch geschah. (APA, 8.7.2015)

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