Traiskirchen: Busse als Gewitterschutz

8. Juli 2015, 19:48
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Im überfüllten Lager bereitete man sich am Mittwoch auf Unwetter vor. Vorübergehende Gebäudeöffnungen sollten "Panik verhindern"

Traiskirchen/Salzburg/Vomp – Das Erstaufnahmezentrum Traiskirchen stand am Mittwoch im Zeichen der Unwetterwarnungen für Ostösterreich. Denn von den laut Innenministeriumssprecher Alexander Marakovits mehr als 3.000 im Lager aufhältigen Menschen haben nur 1.820 einen gewittersicheren Schlafplatz in einem der Wohnhäuser.

480 Flüchtlinge müssen in Zelten nächtigen, die nicht gegen Blitz und Sturzregen resistent sind, bis zu tausend gar unter freiem Himmel. Sollte es also stürmen, blitzen und donnern, gelte es "unter den Asylwerbern Panik zu verhindern", sagte der Sprecher. Er bestätigte STANDARD-Informationen, wonach das Ministerium 15 Postbusse ins Lager bestellt hat, in denen Flüchtlinge bei einem Unwetter Zuflucht nehmen können.

Auch werde die neben dem Erstaufnahmezentrum befindliche Sicherheitsakademie im Gewitterfall aufgesperrt. Sobald das Unwetter ende, sollten die Asylwerber das Gebäude wieder verlassen. Garagen und Speisesäle, die sonst nur zu den Essenszeiten zugänglich sind, würden bei Unwetter ebenfalls geöffnet.

Korun: Häuser werden "abgesperrt"

Laut der grünen Integrationssprecherin Alev Korun, die sich dabei auf "verlässliche Quellen" beruft, hat das Innenministerium außerdem Weisung erteilt, im Gewitterfall keinen Asylwerber mehr in die Häuser des Erstaufnahmezentrums zu lassen, diese also "abzusperren". Weisung gebe es nicht, aber es gelte, dafür zu sorgen, dass in den Gebäuden nicht mehr Menschen seien als feuerpolizeilich erlaubt, reagierte der Sprecher.

In den Gebäuden patrouillieren schon seit Tagen Securitys durch jene Gänge, die im Fall eines Brandes Fluchtwege wären. Sie verscheuchen Asylwerber, die dort ihr Lager aufgeschlagen haben. Ein Insider berichtet, dass sich die Flüchtlinge trotz der unhaltbaren Zustände "äußerst diszipliniert und hilfsbereit" verhalten würden.

Salzburg: Zelte abgesichert

In der Stadt Salzburg, die schon in der Nacht auf Mittwoch von Gewittern heimgesucht wurde, mussten in dem von 240 Menschen bewohnten Flüchtlingszeltlager die Außenplanen mit Sandsäcken abgesichert werden.

Um im gesamten Bundesland mehr Quartierplätze zu schaffen, sollte der Salzburger Landtag Mittwochnachmittag eine Raumordnungsnovelle beschließen. Sie würde das Land ermächtigen, sich über wohnzweckfremde Grundstückwidmungen hinwegsetzen, die oft als Argument gegen Flüchtlingsquartiere vorgebracht werden. Vor zwei Tagen hat der oberösterreichische Landtag eine vergleichbare Regelung beschlossen.

100 Plätze in Kaserne

Unterdessen rückt auch die Eröffnung eines weiteren Kasernenquartiers näher: In Tirol konnten sich Land, Gemeinde Vomp und zuständige Ministerien einigen, ab August Asylwerber in die Frundsberg-Kaserne in Vomp einziehen zu lassen.

Platz sei eigentlich für 600 Menschen, man habe sich aber auf eine Maximalbelegung von 100 Personen geeinigt – "unabhängig von der aktuellen Flüchtlingssituation oder Quotenerfüllung", schrieb die zuständige Abteilung des Landes. "Wir dürfen die Gemeinden nicht überfordern", sagte dazu die grüne Soziallandesrätin Christine Baur. (Irene Brickner und Katharina Mittelstaedt, 8.7.2015)

  • Ein Foto, das ein Flüchtling dem ORF zur Verfügung stellte: Im Lager Traiskirchen "wohnen" derzeit mehrere Hundert Menschen im Freien.
    foto: apa/orf/orientierung

    Ein Foto, das ein Flüchtling dem ORF zur Verfügung stellte: Im Lager Traiskirchen "wohnen" derzeit mehrere Hundert Menschen im Freien.

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