Nowotny erwartet humanitäre Hilfe für Griechen

9. Juli 2015, 14:12
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OeNB-Gouverneur: Ein Grexit würde die Wirtschaftslage im Land "massiv verschlechtern"

Wien – Gut gewappnet sieht die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) die Eurozone bei einem Ausscheren Griechenlands aus der Gemeinschaftswährung. Die Renditen Österreichs und vor allem der Euroland-Peripherie zeigten trotz der Verschärfung der Krise keine nennenswerten Ausschläge nach oben. "Die Diskussion um Griechenland hat nur sehr geringe Auswirkungen auf die Finanzstabilität im Rest Europas", folgert OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny.

Auch eine Ansteckung einiger Balkanländer durch einen Grexit befürchtet er nicht, seiner Ansicht nach besteht "kurzfristig keine Gefahr". Allerdings räumte Nowotny ein, dass es auf lange Sicht über Umwege doch zu negativen Auswirkungen kommen könnte. Und zwar über eine "massive Verschlechterung der Wirtschaftslage in Griechenland", die auf die Konjunktur der Balkanländer durchschlagen könnte.

Konkrete Vorschläge erwartet

Genau dies prophezeit Nowotny den Hellenen nämlich für den Fall eines Grexit. Er hofft, dass sich das Land für diesen Fall gut vorbereitet habe, allerdings "lassen uns die bisherigen Erfahrungen skeptisch sein". Für den EU-Gipfel am Sonntag erwartet der OeNB-Chef, dass bei einer ausbleibenden Einigung im Schuldenstreit über humanitäre Hilfen nachgedacht werde, um etwa die "katastrophale Lage im Gesundheitswesen" zu lindern. Die EU dürfe nicht mitleids- und teilnahmslos zusehen, es gebe eigene Fonds dafür, mit denen den Griechen geholfen werden könne.

Im Dialog mit den Geldgebern sieht Nowotny die Griechen gefordert, mit tragfähigen Vorschlägen in den Gipfel zu gehen. Auch für eine von ihm selbst ins Spiel gebrachte Brückenfinanzierung sei dies Voraussetzung: "Geld hergeben, ohne zu wissen wofür, ist völlig ausgeschlossen."

An Österreichs Banken adressierte Nowotny die Empfehlung, Kostenstrukturen zu verbessern, faule Kredite in Osteuropa zu verringern und weiteres Kapital aufzubauen. Die Systemrisikopuffer, die Klumpenrisiken in Osteuropa entgegenstehen sollen, brächten eine höhere Stabilität und eine Verbesserung der Kreditversorgung der Realwirtschaft. Diese wächst nämlich weiterhin nur auf bescheidenem Niveau, was jedoch auch an der moderaten Nachfrage der Unternehmen liegt. (aha, 9.7.2015)

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    foto: reutes
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