Was ist falsches Geld, was ist richtiges?

Userkommentar10. Juli 2015, 09:26
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Solange die Leute meinen, es mit "richtigem" Geld zu tun zu haben, verkaufen und kaufen sie auch mit Falschgeld

Ewald Nowotny, Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank, hat gesagt: Eine in der aktuellen griechischen Situation eingeführte Parallelwährung wäre Falschgeld.

Es geht ums Vertrauen

Was ist Falschgeld? Um das zu verstehen, sollte unterschieden werden, was Geld an sich ist und was seine Funktionen sind. Die wichtigsten Funktionen sind allgemein bekannt: Zahlungsmittel, Tauschmittel, Wertmaß, Wertaufbewahrungsmittel und anderes. Ob Geld als Mittel zu gebrauchen ist – also "fungiert" –, hängt davon ab, ob Menschen ihre Güter und Dienste dafür hergeben. Sie geben ihre Wirtschaftsleistungen her, wenn sie darauf vertrauen, für das erhaltene Geld erwünschte Waren kaufen zu können.

Es geht also um Vertrauen, wie es schon im alten lateinischen Spruch ausgedrückt wurde: Non aes sed fides. Also nicht Kupfer, Silber oder Gold sind im Warenhandel entscheidend, sondern die unbezweifelte Erwartung, für solches Metall, für Banknoten oder andere Geldwerte einen Gegenwert zu erhalten. Letztlich entscheidend ist, ob das Vertrauen durch kaufbare Dinge, Waren, bestätigt wird. Waren entstehen mehrheitlich durch Arbeit. Mit Geld lässt sich die erforderliche Arbeit organisieren, weil mehr oder weniger alle in unserer "Geldgesellschaft" auf Geldverfügbarkeit durch Erwerbsarbeit angewiesen sind.

Falschgeld kann "richtiges" Geld sein

Falschgeld ist Geld, das in Umlauf gebracht wird, um sich Wirtschaftsleistungen anderer anzueignen. Wird es nicht als Falschgeld erkannt, kann es fungieren wie echtes Geld. Solange die Leute meinen, es mit "richtigem" Geld zu tun zu haben, verkaufen und kaufen sie auch mit Falschgeld.

Bei einer Parallelwährung in Griechenland wäre demnach entscheidend, dass die Menschen und Betriebe im Vertrauen auf das Funktionieren dieses Geldes wieder arbeiten und ihre Leistungen (Güter und Dienste) sich gegenseitig anbieten.

Unwillkürlich kommt dabei die Erinnerung auf, dass im Juni 1948 die Deutsche Mark als neue Währung ausgegeben wurde: Alle bekamen eine geringe Summe ohne Gegenleistung; alle vertrauten und wollten mehr davon, indem sie produzierten. Der Wirtschaftskreislauf war gestartet.

Es ist also nicht wesentlich, woraus das Geld besteht – es ist an sich ja nur ein Symbol – oder wer es emittiert, sondern es bedarf des Vertrauens. Das Vertrauen hält nur so lange an, wie für dieses Geld Waren zu kaufen sind. Alles, was wie Geld fungiert, gleichgültig ob Banknoten, Münzen, Kontoüberweisungen, Schuldscheine oder Gutscheine, ist Geld. (Paul Kellermann, 10.7.2015)

Paul Kellermann beschäftigt sich mit den Zusammenhängen von Bildung und Arbeit sowie Arbeit und Geld und lehrt Soziologie an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt und leitet das "Seniorstudium liberale" der Universität Klagenfurt. Er ist auch Autor des Buches "Soziologie des Geldes. Grundlegende und zeithistorische Einsichten" (Springer, 2014)

  • Griechische Drachmen-Münzen
    apa/dpa/herbert knosowski

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