Polen bittet Banken wegen Franken-Krediten zur Kasse

8. Juli 2015, 15:39
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Mehr als eine halbe Millionen Polen haben Hypothekenkredite in der Schweizer Landeswährung Franken aufgenommen

Warschau– In Polen sollen Banken nach dem Willen der Regierungspartei für Verluste heimischer Häuslebauer bei den in Schweizer Franken aufgenommenen Immobilienkrediten geradestehen. Sie sollen die Hälfte der erlittenen Verluste übernehmen, heißt es in dem am Mittwoch bekanntgewordenen Vorschlag der Vorsitzenden des Finanzausschusses im Parlament, Krystyna Skowronska. Die Aktienkurse polnischer Töchter westeuropäischer Banken wie der Commerzbank, Santander und UniCredit gerieten deshalb unter Druck.

Mehr als eine halbe Millionen Polen haben Hypothekenkredite in der Schweizer Landeswährung Franken aufgenommen, da für diese geringere Zinsen fällig wurden. Die Schweizer Notenbank SNB hob im Januar aber überraschend die Kopplung an den Euro auf, wodurch sich der Franken auf einen Schlag um rund 20 Prozent verteuerte. Das bringt viele Polen in Zahlungsschwierigkeiten. Ihnen will die Regierungspartei vor der Parlamentswahl im Oktober unter die Arme greifen. Sie sollen nun die Möglichkeit bekommen, ihren Kredite auf Basis der aktuellen Devisenkurse in polnische Zloty umzuwidmen – sofern die Eigentumswohnung nicht größer als 75 Quadratmeter oder das Haus nicht größer als 100 Quadratmeter ist. Das soll sie gegen Kursschwankungen absichern.

Die Kosten für die Banken würden sich auf neun Billionen Zloty (etwa 2,1 Milliarden Euro) belaufen, hieß es. "Die Hälfte der Kosten für das Währungsrisiko werden von den Banken gedeckt", erklärte die polnische Finanzmarktaufsicht. "Aber sie werden über mehrere Jahre gestreckt, so dass das Finanzsystem nicht gefährdet würde."

Bei den Geldhäusern kommt der Vorschlag nicht gut an. "Die Banken sind das bislang größte Opfer der Wahlkampagne", sagte Analyst Kamil Stolarski von der portugiesischen Grupo Novo Banco. (Reuters, 8.7.2015)

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