Spacig Promis abballern: Wie ein Wiener Shooter Schlagzeilen macht

9. Juli 2015, 10:00
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Indie-Studio Bloodirony Games feiert mit "Shooting Stars" den Mut zum Risiko

Ein bärtiger Hipster auf einem Hoverboard, der mit einer Laserstrahlen schießenden Katze gegen mutierte Stars aus Film und Pop antritt – der Plot von "Shooting Stars!" lässt schon einmal die eine oder andere Augenbraue nach oben wandern. Das quietschbunte Shoot'em up für iOS, das dieser Tage erschienen ist, ist der Erstling eines Wiener Drei-Mann-Entwicklerteams. Mit der Gründung von Bloodirony Games hat sich Michael Hartinger einen "Kindheitstraum" erfüllt: Nach zehn Jahren Karriere in der IT bei einer großen österreichischen Bank und dreieinhalb Jahren Kinderkarenz hat er den Sprung ins kalte Wasser gewagt, seinen Brotberuf gekündigt und gemeinsam mit Alexander Haider und Stefan Malzner die Arbeit an "Shooting Stars!" aufgenommen.

"Shooting Stars!" ist ein überdrehter Shooter mit Zufallselementen, aberwitzigen Waffen und Power-ups und einem Aufgebot an als Promis verkleideten Aliens, die es zu besiegen gilt – von Katy Perry über Arnold Schwarzenegger und Lady Gaga bis hin zu Internet-Celebrities wie PewDiePie reicht die Palette. Neben einem knackigen Schwierigkeitsgrad ist es vor allem der Humor, der das klassische Gameplay abwechslungsreich werden lässt; in immer neuen Gags und Witzchen bekommt so gut wie jedes bekannte Internet-Meme auf die eine oder andere Art seinen Auftritt. Die Mischung aus kurzweiligem Actionspaß und ständig wechselnden Gegnern kam schon während der Entwicklung bei Presse und Beta-Testern gut an. "Wenn bekannte Youtuber wie PewDiePie oder Journalisten wie Greg Miller unser Spiel auf ihren Channels vorstellen, weil sie selbst im Spiel sind, dann ist das für uns auf jeden Fall sehr gut", sagt Stefan Malzner.

noodlecakegames

Idealismus und Experimente

Das Trio mit Hauptquartier im 15. Wiener Gemeindebezirk hat sich darauf eingeschworen, sechs Monate Vollzeit an "Shooting Stars!" zu arbeiten. "Um uns diesen Luxus auch leisten zu können, haben wir unsere Konten geplündert, ein wenig Geld ausgeliehen und zu unserer großen Freude auch eine Förderung der Stadt Wien (Wirtschaftsagentur/Departure Pioneers) erhalten. Das bedeutet natürlich, ein halbes Jahr kein Geld zu machen, gibt aber den Freiraum, sich komplett auf sein Ziel zu konzentrieren, und erlaubt es einem, dass man eine Zeitlang wirklich kreativ und unabhängig arbeiten kann", beschreibt Hartinger den Start ins Abenteuer Indie.

"Ohne eine ganze Menge Idealismus würden wir das hier sicher nicht machen", meint Stefan Malzner, der Creative Lead des Teams. "Wenn es nur darum ginge, die Miete zu bezahlen, hätten wir auch in der Bank bzw. Agentur bleiben können. Hier sind wir für alles, was passiert, zu 100 Prozent verantwortlich. Wir können genau das machen, was wir wollen, genau so, wie wir es am besten finden, und vor allem können wir jeden Tag neue Dinge ausprobieren. Ich habe es leider viel zu oft gesehen, wie in größeren Strukturen einfach viel zu viele gute Ideen und vor allem Talente auf Dauer verkümmern."

"So laut und auffällig wie möglich"

Obwohl der bunte Retro-Shooter mit dem schrägen Humor erst am 9. Juli veröffentlicht wurde, ist er bereits jetzt ein Erfolg: Trotz der im Mobile-Games-Bereich herrschenden Spieleflut wurde der Titel international schon während der Entwicklung positiv aufgenommen, unter anderem wurde "Shooting Stars!" von "Touch Arcade", der größten Seite für iOS-Spiele, bereits vor Wochen gefeaturt. Mit dem kanadischen Publisher Noodlecake hat das österreichische Studio auch schon einen internationalen Geschäftspartner gefunden.

In einem täglich mit hunderten neuen Spielen überschwemmten Markt wie dem AppStore ist so viel Aufmerksamkeit schon vor Release bemerkenswert – und kein Zufall. "Wir haben auf jeden Fall sehr viel in die Planung gesteckt, um all unsere Chancen zu maximieren", meint Malzner. "Vom ersten Tag an haben wir uns vorgenommen, so laut und auffällig wie möglich zu sein. Das bedeutet, überall zu sein – auf Messen, Indie Booths, Indie Game Festivals wie dem Amaze Festival in Berlin, auf Twitter und Facebook."

Local Heroes

Die internationale Aufmerksamkeit ist der eine Teil der Medaille, doch auch lokal, in der Wiener Entwicklerszene, ist man sehr aktiv. Mit dem Game Dev Meetup, einem regelmäßigen Treffen der lokalen Spieleentwicklerszene, hat das junge Studio quasi nebenbei einen neuen Branchentreff in Wien ins Leben gerufen. "Gerechnet haben wir mit circa zehn bis 15 Leuten, gekommen sind dann schon beim ersten Mal etwa 45. Für uns war damit ziemlich klar, dass hier ein riesiger Bedarf besteht", meint Malzner.

Die Herausforderungen, die junge Indie-Entwickler wie Bloodirony Games bewältigen müssen, sind für Stefan Malzner vielfältig: "Man muss Sachen auf den Punkt bekommen, eine solide Finanzierung aufstellen und an alles denken, vor allem auch an nicht entwicklungsrelevante Themen wie PR, Marketing und Netzwerken. Das Wichtigste ist aber, es einfach zu machen und Mut zum Risiko zu haben. Man muss versuchen, mit allen Mitteln aufzufallen."

Der Zusammenhalt der österreichischen Szene ist gerade für kleinere Entwickler ein großes Plus. Bei der Förderung größerer Projekte, wie sie etwa auch Johanna Schober von Sproing Interactive kürzlich im GameStandard gefordert hat, sehen Malzner und Hartinger noch Verbesserungsmöglichkeiten. "Die Unterstützungen für kleine Studios, wir wir es sind, sind aber grundsätzlich schon ganz gut. Bei größeren Projekten mangelt es unserer Meinung nach aber oft auch an der passenden Fremdfinanzierung. Die Spieleindustrie kann sehr nachhaltig und gewinnbringend sein. Dazu braucht es aber finanzielle und organisatorische Unterstützung – und weniger bürokratische und finanzielle Hürden bei Firmengründungen und spezialisierte Förderung von spielerelevanten Projekten." (Rainer Sigl, 9.7.2015)

"Shooting Stars!" ist für iPhone und iPad erschienen. Eine Version für Android-Geräte soll bald folgen.

  • Das Team von Bloodirony (v. li.): Michael Hartinger, Alexander Haider, Stefan Malzner.
    foto: bloodirony

    Das Team von Bloodirony (v. li.): Michael Hartinger, Alexander Haider, Stefan Malzner.

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    bild: shooting stars!
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