Erste globale Hai-Zählung mit Hilfe von Unterwasser-Kameras

8. Juli 2015, 15:06
4 Postings

Projekt soll bis 2018 klären, wo Bestände noch gesund sind und wo schon gefährdet

Washington – Meeresbiologen wollen mit Hilfe eines Tricks erstmals weltweit Haie zählen, um sich ein Bild von den Beständen zu machen. Dazu brachten die Forscher mit Ködern bestückte Unterwasser-Kameras an 400 ausgewählten Riffen der drei Ozeane an. Das "Global FinPrint" genannte Projekt soll bis 2018 klären, wo Bestände noch gesund sind oder wo schon gefährdet, berichtet der Haiexperte Mike Heithaus von der Florida International University in den USA.

Zudem solle der Einfluss der Haie auf das Ökosystem von Riffen erforscht werden. Weltweit werden jedes Jahr bis zu hundert Millionen Haie getötet. Zahlreiche Hai-Populationen gelten deshalb als bedroht.

Menschen brauchen Haie

"Viele wissen es nicht, aber Menschen brauchen Haie", sagte Heithaus und verwies auf deren Schlüsselrolle in der Nahrungskette wie etwa zum Schutz von Seegraswiesen: Haie erhalten das natürliche Gleichgewicht, indem sie Schildkröten und Seekühe fressen. Ohne Haie würden sich diese Arten wiederum stark vermehren und das Seegras überweiden. Seegraswiesen seien aber ein wichtiger Lebensraum und Kindergarten für Fischarten und Krabben, die wiederum von Menschen konsumiert werden, erläuterte Heithaus.

Das Projekt wird von der Familienstiftung des Microsoft-Mitbegründers Paul G. Allen mit vier Millionen US-Dollar (etwa 3,6 Millionen Euro) unterstützt. Stiftungsvertreter Dune verwies zur Begründung des Engagement auf eine Studie der Weltnaturschutzunion (IUCN), wonach für die Hälfte aller Hai- und Rochenarten Daten fehlen, um ihre jeweiligen Bestände genau einschätzen zu können.

Die Kameras sollen nun in Regionen angebracht werden, wo wenig über die jeweiligen Haifisch-Populationen bekannt ist. Dies gilt für Riffe im Indo-Pazifik, im tropischen Westatlantik, vor Süd- und Ostafrika sowie rings um Inseln im Indischen Ozean.

Was geschieht, wenn die Haie fort sind?

Das Projekt soll über diese Bestandserhebungen hinaus laut Heithaus die Frage beantworten: "Was passiert in empfindlichen maritimen Ökosystemen, wenn Haie weggefangen wurden?" Dies sei eine enorm wichtige Frage: Viele Länder seien auf gesunde Riffe angewiesen, als Nahrungsquelle, für den Küstenschutz und für Einnahmen aus dem Tourismus. (APA/red, 8.7.2015)

  • In zahlreichen Regionen weiß man praktisch nichts über den jeweiligen Zustand der Haibestände. Das Projekt "Global FinPrint" soll hier wertvolle Daten liefern.
    foto: (ap photo / the canadian press, nathan denette

    In zahlreichen Regionen weiß man praktisch nichts über den jeweiligen Zustand der Haibestände. Das Projekt "Global FinPrint" soll hier wertvolle Daten liefern.

Share if you care.