Tote Frau nach Amokfahrt in Graz identifiziert

8. Juli 2015, 15:22
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53-jährige Grazerin lebte sehr zurückgezogen, Bruder erstattete Vermisstenanzeige

Fast drei Wochen hat es gedauert, bis der Name des dritten Todesopfers der Amokfahrt eines 26-jährigen Mannes in Graz bekannt geworden ist. Die Frau hieß Michaela S. und war 53 Jahre alt, als sie der grüne Geländewagen am 20. Juni in der Grazer Herrengasse erfasste und sie unmittelbar danach starb. "Grazia" hatten sie viele in der trauernden Stadt in Ermangelung eines Namens schon genannt. Denn die Frau hatte weder einen Ausweis oder ein Handy noch irgendeinen Schmuck oder Bargeld bei sich. Außer ihrer Kleidung trug sie nur eine weiße Uhr.

Seit Mittwoch weiß die Polizei nun sicher, dass es sich um eine 53-jährige Grazerin handelte, die sehr zurückgezogen lebte und beschäftigungslos war. Nur ihren Bruder, einen 56-jährigen Grazer, traf sie einmal im Monat. Als sie am vergangenen Sonntag nicht zum vereinbarten Treffen kam, war der Bruder beunruhigt. Er fand sie auch nicht in ihrer Wohnung und meldete am Dienstag seine Schwester als vermisst. Im Polizeiwachzimmer Jakomini zeigte man ihm daraufhin die Fotos der bis dahin unbekannten Toten.

Identifizierung über Zahnarzt

"Es war natürlich ein Schock für den Mann", sagt Polizeisprecher Maximilian Ulrich dem STANDARD. Er konnte daher auch die Identifizierung der Leiche nicht selbst durchführen, wusste aber, bei welchem Zahnarzt seine Schwester war. So konnte man über den Zahnstatus von Michaela S. Gewissheit erlangen. "Die Panoramaröntgen waren eindeutig", sagt Ulrich.

Da man zuerst davon ausgegangen war, es handle sich um eine Bettlerin, die nahe der Stadtpfarrkirche saß, und das Alter der Toten auf 25 bis 35 geschätzt wurde, konnte der Bruder keinen Verdacht schöpfen. Wie der STANDARD berichtete, zweifelten Organisationen wie die Vinzenzgemeinschaft, die viele der Grazer Bettler betreut, bald an dieser Theorie. Denn keine der anderen Bettlerinnen kannte die Tote. Zudem haben die meisten bettelnden Menschen in Graz einen Ausweis bei sich.

Der Umstand, dass man keine Tasche und nicht einmal ihren Wohnungsschlüssel bei Michaela S. fand, wird von der Polizei noch weiter untersucht. Es ist für die Polizei auch nicht ausgeschlossen, dass eine Handtasche im Chaos an jenem Samstag entwendet wurde. Die Frau kann nun beerdigt werden. (Colette M. Schmidt, 8.7.2015)

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