Der Ärger des Chefs ist leichter erkennbar als jener der Chefin

12. Juli 2015, 21:13
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Psychologen untersuchten Einflüsse von Geschlecht und beruflicher Stellung auf die Wahrnehmung von Gesichtsausdrücken

Wien – An den Gesichtern männlicher Vorgesetzter lässt sich Ärger offenbar leichter ablesen als bei jenen von Chefinnen. Das zeigt eine Studie mit Beteiligung von Forschern der Webster Vienna Private University, in der Einflüsse von Geschlecht und beruflicher Stellung auf die Wahrnehmung von Gesichtsausdrücken untersucht wurden.

Vorgesetzte führen auch durch ihren Gesichtsausdruck. Wie dieser wahrgenommen wird, hängt aber von der beruflichen Position und dem Geschlecht ab. "Unser Gesicht drückt nicht nur Emotionen aus, sondern ist auch ein wichtiges Steuerungsinstrument für den Umgang mit Mitmenschen", erklärte Marc Mehu vom Department of Psychology der Webster Uni, der mit US-Kollegen die im Fachblatt "International Public Management Journal" veröffentlichte Studie durchgeführt hat. Die Mimik beeinflusse damit auch das Verhältnis zwischen Vorgesetzten und Untergebenen und wirke sich so auf Jobzufriedenheit, Einsatz, Krankenstand, etc. aus.

In der Untersuchung wurden rund 100 Probanden Bilder verschiedener Gesichter von Männern und Frauen mit unterschiedlichen Emotionen (Überraschung, Freude, Traurigkeit, Furcht, Ärger, Ekel) vorgelegt, die mit bestimmten Job-Beschreibungen, Verantwortungen und Ausbildungen gepaart waren. Dabei zeigte sich, dass Gesichtsausdrücke von Vorgesetzten tendenziell besser und eindeutiger identifiziert wurden als jene von Untergebenen.

Verärgerte Chefs eindeutiger erkennbar

"Freude" wurde am deutlichsten erkannt, unabhängig von der beruflichen Stellung und dem Geschlecht. Deutliche Geschlechterunterschiede zeigten sich bei einer "Ärger" ausdrückenden Mimik: Dies konnte bei männlichen Chefs signifikant eindeutiger identifiziert werden als bei weiblichen Chefs.

"Hierarchien und Wettbewerb sind für Männer wichtige Dimensionen ihrer sozialen Interaktion. Der Ausdruck von Ärger ist dabei ein bedeutendes Mittel", erklärte Mehu dieses Ergebnis. Frauen seien dagegen in ihren sozialen Interaktionen mehr auf die Stabilität des sozialen Umfelds fokussiert – dabei Ärger auszudrücken, helfe wenig dabei.

Diese Konzepte würden entsprechend die Erwartungshaltung beeinflussen: "Wir erwarten den Ausdruck von Ärger ganz einfach eher von einem männlichen als von einer weiblichen Vorgesetzten – und interpretieren deren Gesichtsausdrücke entsprechend", so Mehu, der sich in dieser Interpretation durch ein weiteres Ergebnis bestätigt sieht: Der Ausdruck von "Traurigkeit" – ein Signal für Empathie und Sorge – wurde völlig unabhängig vom beruflichen Status bei Frauen eindeutig klarer identifiziert.

Geschlechterunterschiede bei der Interpretation zeigten sich am ehesten, wenn die Bilder von Untergebenen gezeigt wurden. So wurde "Angst" bei männlichen Untergebenen eindeutiger identifiziert als bei weiblichen, "Missfallen" war dagegen bei weiblichen Untergebenen klarer erkennbar als bei männlichen. (APA/red, 12.7.2015)

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