Was "Österreich" an einem Posträuber wesentlich findet

Analyse8. Juli 2015, 13:59
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Schließt aus Tarnung der Waffe und "Intellektuellen-Look": "Standard-Leser"

Wien – "Intellektuellen-Look" und eine Ausgabe des STANDARD veranlassten "Österreich" zur Schlagzeile: "'Standard-Leser' überfiel Post-Filiale in Wien". Nun fällt Medienkonsum, jedenfalls jener des STANDARD, – im Gegensatz zu weniger legalen Tätigkeiten – nicht unter die medienrechtlich gebotene Unschuldsvermutung.

Wenn "Österreich" STANDARD-Lektüre aber so wesentlich erscheint: Mit "mutmaßlicher" STANDARD-Leser hätte sich die Zeitung die durchaus realistische Möglichkeit offengehalten, dass sich der Mann zwar im Besitz einer STANDARD-Ausgabe befand und diese äußerst missbräuchlich verwendete, um eine Waffe unauffällig in eine Postfiliale zu bringen, sie aber ebenso wenig gelesen hatte wie sonst eine Ausgabe dieser Zeitung, selbst wenn er einen "Intellektuellen-Look" zu schätzen scheint – auch der könnte natürlich gewiefte Tarnung sein.

Bevor nun jemand jene 1,188 Millionen Menschen*, die laut Media-Analyse zumindest einmal pro Woche eine Ausgabe STANDARD lesen oder durchblättern (andersgeartete Verwendung wird hier nicht abgefragt) pauschal verdächtigt, möchte derStandard.at/Etat gerne noch ein paar nähere Hinweise auf den mutmaßlichen Täter und – womöglichen – STANDARD-Leser auf Abwegen liefern (hier endet die Ironie):

Sachdienliche Hinweise

  • Personenbeschreibung: männlich, ca. 180 cm groß, ca. 30 bis 40 Jahre, korpulente Statur, laut Zeugen sprach der Mann Deutsch ohne erkennbaren Akzent
  • Bekleidung: schwarze Hose, schwarzes Sakko, schwarze Schuhe
  • Maskierung: Schirmkappe, dunkles Tuch
  • Bewaffnung: schwarze Pistole

Für zielführende Hinweise, die zur Ausforschung des Tatverdächtigen führen, ist eine Belohnung von 2.000 Euro ausgelobt. Sachdienliche Hinweise werden vom Landeskriminalamt Wien, Ermittlungsdienst, Journal unter der Telefonnummer 01-31310-33230 entgegengenommen und vertraulich behandelt.

Eine Angestellte erlitt bei dem Überfall einen Schock und musste psychologisch betreut werden. (red, 8.7.2015)

* Weitester Leserkreis laut Media-Analyse 2014

  • "Jagd auf Täter im Intellektuellen-Look".
    foto: mediengruppe österreich

    "Jagd auf Täter im Intellektuellen-Look".

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