Weltweit immer mehr Rekord-Regenfälle und "Jahrhundertfluten"

8. Juli 2015, 12:47
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Studie kommt auf 12 Prozent mehr extreme Regenereignisse in den letzten 30 Jahren – Ursache vermutlich Klimawandel

Potsdam – Extreme Regenfälle haben einer aktuellen Studie zufolge in den vergangenen 30 Jahren weltweit deutlich zugenommen. Seit 1980 habe es einen Anstieg von "Rekord-Regen-Ereignissen" um zwölf Prozent verglichen mit einem Szenario ohne Klimawandel gegeben, erklärte das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung am Mittwoch.

Da der Trend nach oben weise, betrage die Zunahme von Rekord-Regenfällen im letzten der untersuchten Jahre sogar 26 Prozent, erklärte Jascha Lehmann, einer der Autoren. Die Forscher analysierten Regendaten von Wetterstationen weltweit aus den Jahren 1901 bis 2010. Bis 1980 ließen sich Schwankungen in der Häufigkeit von Starkregen mit natürlichen Faktoren begründen, erklärte das Forschungsinstitut. Für die Zeit danach machten die Wissenschafter einen "klaren Aufwärtstrend" von zuvor nie dagewesenen Regenfällen aus.

Mehrere "Jahrhundertfluten"

So habe es etwa in Deutschland seit 1997 drei "Jahrhundertfluten" gegeben, Pakistan habe 2010 extreme Regenfälle erlebt. "In allen diesen Regionen hat die Regenmenge, die an einem Tag zu Boden stürzte, örtliche Rekorde gebrochen", erklärte Lehmann. Die Entwicklung passe zum Anstieg der globalen Temperatur, ausgelöst durch Treibhausgase aus fossilen Stoffen.

Die Zunahme von durchschnittlich zwölf Prozent verteilt sich auf die Kontinente sehr unterschiedlich, wie das Potsdamer Institut mitteilte. So gab es in südostasiatischen Ländern eine Zunahme von 56 Prozent, in Europa waren es 31 Prozent. In Gegenden wie dem Mittelmeerraum und dem Westen der USA, die von Trockenheit bedroht sind, nahmen die Regenfälle hingegen ab.

Klimawandel als Erklärung

Eine statistische Analyse konnte keine direkte physikalische Ursache-Wirkung-Beziehung liefern. Deshalb haben die Wissenschafter ihre Ergebnisse mit dem bereits vorhandenen Wissen verglichen, wieviel mehr an Wasser eine wärmere Atmosphäre speichern kann; erfasst wird dies mit der Clausius-Clapeyron-Gleichung. Das Mehr an Feuchtigkeit in der Luft kann bei kurzfristigen Regenfällen freigesetzt werden. Die Forscher zeigen, dass die beobachtete Zunahme von nie dagewesenem Starkregen tatsächlich zu dem passt, was man durch den Einfluss der globalen Erwärmung rein thermodynamisch erwarten würde.

Das bedeutet: Einer von zehn Rekord-Regen in den vergangenen dreißig Jahren ist nur durch den Einfluss der langfristigen Klima-Erwärmung zu erklären , sagt Ko-Autor Dim Coumou. Und im letzten untersuchten Jahr, 2010, ist es sogar einer von vier Rekord-Regenfällen. Bislang konnten Studien nur mit mittlerer Sicherheit sagen, wie der vom Menschen verursachte Ausstoß von Treibhausgasen örtliche wie auch weltweit gemittelte Regenfälle beeinflusst hat. Die nun vorliegende Studie hilft, diese Forschungslücke zu schließen.

"Beunruhigender Trend"

Der ausgeprägte Trend zu vermehrten Rekord-Regenfällen ist natürlich beunruhigend , so Coumou. Aber weil dieser Trend übereinstimmend ist mit der vom Menschen verursachten globalen Erwärmung, kann er auch vom Menschen wieder gedreht werden – nämlich wenn sie den Ausstoß von Treibhausgasen aus fossilen Brennstoffen rasch und stark reduzieren. (APA/red, 8.7.2015)

  • Diese Rekorde brechende Abnormität bei Regenfällen ist auf den verschiedenen Kontinenten  der Erde unterschiedlich ausgeprägt. In den Ländern  Südost-Asiens – im Bild zwei Arbeiter in einer "Regenpfütze" am 19. Juni in Mumbai – wurde eine Zunahme von Rekord-Regenfällen um volle 56  Prozent verzeichnet.
    foto: reuters / danish siddiqui

    Diese Rekorde brechende Abnormität bei Regenfällen ist auf den verschiedenen Kontinenten der Erde unterschiedlich ausgeprägt. In den Ländern Südost-Asiens – im Bild zwei Arbeiter in einer "Regenpfütze" am 19. Juni in Mumbai – wurde eine Zunahme von Rekord-Regenfällen um volle 56 Prozent verzeichnet.

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