Tesla zieht an Premium-Herstellern vorbei

8. Juli 2015, 11:51
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Während Mercedes, Porsche und Co auf Pferdestärken und SUVs setzen, kommt E-Auto-Pionier Tesla bei Luxusautokäufern immer besser an

Palo Alto – Stolze Zahlen hat Elektroautopionier Tesla vor einigen Tagen vorgelegt: Die Firma von Tech-Milliardär Elon Musk hat im zweiten Quartal die Auslieferungen des aktuellen Model S im Jahresvergleich um 52 Prozent gesteigert – auf 11.507 Fahrzeuge. Auch wenn die Zahl nicht eben beeindruckend klingt: Der US-Autobauer hat damit einen Rekordwert erreicht .

Allerdings hat sich das Unternehmen auch ambitionierte Ziele gesteckt. Im Gesamtjahr sollen 55.000 Wagen an die Kundschaft gebracht werden. Dabei setzt Tesla auf den Elektro-SUV Model X, der im September auf den Markt kommen soll. Analysten erwarten, dass das neue Modell für einen Absatzboom im Schlussquartal sorgen wird. Tausende Vorbestellungen soll es bereits geben.

Innovation Elektroauto

Ferdinand Dudenhöffer, Autoexperte vom CAR-Center Automotive Research der Universität Duisburg-Essen, sieht Tesla auf der Überholspur, wie er in einer aktuellen Analyse schreibt. Konsequent auf die Innovation Elektroauto gesetzt zu haben, zahle sich mittlerweile bei den Kunden der Luxusautos für Tesla aus. Während die klassischen Oberklasse-Hersteller wie Mercedes, Porsche, BMW, Audi und Jaguar-Land Rover weiter auf konventionelle Fahrzeuge mit steigenden PS-Zahlen und SUVs setzten, würde Tesla mit nachhaltiger Mobilität seine Stellung im Markt für Oberklasse-Fahrzeuge ausbauen, so sein Urteil. "Und das, obwohl das Modell Tesla S bereits im dritten Verkaufsjahr ist und damit ein Anfangshype nicht mehr der Verkaufstreiber sein kann."

Beispiel Oberklasse-Markt Schweiz

Laut Dudenhöffer hat Tesla im wichtigen Oberklasse-Markt der Schweiz in diesem Jahr mehr Fahrzeuge verkauft als Mercedes S-Klasse, BMW 7er, Audi A8 oder Porsche Panamera (siehe Grafik). In den USA liegen laut Dudenhöffers Analyse außer der S-Klasse alle deutschen Oberklasse-Hersteller hinter den Verkäufen des Modells Tesla S. Auch in Deutschland verkaufe Tesla besser als mancher deutsche Autobauer seine Oberklasse-Modelle.

Die Autobauer tun sich laut dem Autoexperten schwer, auf nachhaltige Mobilität umzurüsten. Nicht nur bei den deutschen Oberklasse-Hersteller laute die Devise noch mehr SUV und noch mehr PS. "Die Renditen entwickeln sich bei konventionellen Oberklasse-Modellen prächtig – allein das Thema Nachhaltigkeit bleibt auf der Strecke." So sei bei den Verkäufen von reinem Elektroautos und Plug-In Hybriden von den klassischen Autobauern nur wenig Schwung zu erwarten. Die Oberklasse-Autobauer sind laut seiner Einschätzung in einer Sackgasse unterwegs. Was heute zähle: Blendende Gewinne, noch mehr PS und noch mehr SUV. Schlechte Aussichten für die Zukunft, denn ab dem Jahr 2020 muss der CO2-Verbrauch deutlich gesenkt werden. "Keiner der konventionellen Autobauer scheint ein Rezept zu haben…. außer Tesla", warnt Dudenhöffer. (rebu, 8.7.2015)

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    grafik: car-center automotive research universität duisburg-essen
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