"Heiliger Antony": Barclays wirft Chef raus

8. Juli 2015, 16:36
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Vorstandschef Antony Jenkins muss gehen. Er war als Symbolfigur einer zurückhaltenden City of London nicht mehr zeitgemäß

Nach Credit Suisse, Standard Chartered und Deutscher Bank erhält erneut ein großes europäisches Finanzhaus eine neue Führung. Überraschend schickte der Aufsichtsrat der traditionsreichen Bank Barclays am Mittwoch den Vorstandschef Antony Jenkins nach drei Amtsjahren in die Wüste. Der Konzern müsse schlanker, agiler werden und größere Gewinne abwerfen, begründete Chairman John McFarlane die Ablöse. Der 68-Jährige soll Barclays führen, bis ein neuer CEO berufen wird. Die zuletzt stagnierende Aktie zog im Frühhandel an.

Die 325 Jahre alte Bank gehört zu den traditionsreichsten Namen auf dem wichtigsten internationalen Finanzplatz der Welt. In den vergangenen Jahren gerieten Barclays und die gesamte City durch windige Geschäftspraktiken und kriminelle Machenschaften ins Zwielicht. Dem Libor-Manipulationsskandal fiel 2012 die gesamte Konzernspitze zum Opfer. Neuer Chef wurde der zurückhaltend und analytisch auftretende "Heilige Antony", wie er in der City genannt wird. Der langjährige Barclays-Manager, der das Kreditkartengeschäft des Konzerns ausgebaut hatte, gestand Fehler ein und gelobte, den Konzern aus den Schlagzeilen zu führen. Die Bank versprach mehr Kundenfreundlichkeit und die Verkleinerung der Investmentsparte.

Freilich machten immer neue Ermittlungsverfahren und Strafzahlungen dem neuen CEO das Leben schwer. Dazu kam ein Streit um die Rolle der Investmentsparte. Als ein möglicher Kandidat für Jenkins' Nachfolge gilt Finanzvorstand Tushar Morzaria.(Sebastian Borger aus London, 8.7.2015)

  • Barclays-Chef Antony Jenkins muss gehen.
    foto: apa/epa/bathma

    Barclays-Chef Antony Jenkins muss gehen.

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