Nach Flüchtlingsdrama mit 800 Toten: Prozess gegen Schlepper

8. Juli 2015, 08:32
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Staatsanwaltschaft: Kapitän und sein Helfer müssen sich in Catania vor Gericht verantworten

Rom – Nach der Bergung der Leichen von 13 der rund 800 Flüchtlinge, die bei der Bootskatastrophe am 18. April im Mittelmeer ums Leben gekommen sind, hat die Staatsanwaltschaft der sizilianischen Stadt Catania einen Prozess gegen den Kapitän des gekenterten Schiffes und ein Crewmitglied beantragt. Die beiden waren im April in Catania festgenommen worden.

Der 27-jährige tunesische Kapitän und der um zwei Jahre jüngere Syrer beteuerten ihre Unschuld. Laut Staatsanwaltschaft gebe es jedoch konkrete Beweise für ihre Schuld, berichteten italienische Medien. Das Besatzungsmitglied machte den Kapitän für die Kollision mit einem portugiesischen Handelsschiff verantwortlich, die zum Kentern des Flüchtlingsbootes geführt hatte.

Vorwurf der schweren Misshandlung

Dem Kapitän werden vielfache fahrlässige Tötung, Verursachen eines Schiffsuntergangs, Freiheitsberaubung und Beihilfe zur illegalen Migration vorgeworfen. Vor der Abfahrt seien die Flüchtlinge schwer misshandelt worden, sagte der Staatsanwalt von Catania, Giovanni Salvi.

Das rund 20 Meter lange Schiff war nach dem Zusammenstoß mit einem portugiesischen Frachter, der auf ein Notrufsignal reagiert hatte, gesunken. Nur 28 Menschen konnten gerettet werden, darunter die beiden Festgenommenen. 37 Leichen wurden bisher geborgen.

Bergung geht weiter

13 in den letzten Tagen geborgene Leichen wurden am Dienstag im Friedhof von Catania zusammen mit weiteren 17 Migranten beerdigt, die bei einem Schiffsunglück am 12. Mai ums Leben gekommen waren. Bei den Todesopfern handelt es sich um nordafrikanische Männer im Alter zwischen 23 und 30 Jahren. Die Leichen wurden mithilfe eines Untersee-Roboters geborgen.

Der vergangene Woche begonnene Einsatz zur Bergung der weiteren Leichen wird in den nächsten Tagen fortgesetzt, die Wetterbedingungen seien dafür optimal, teilte die Marine mit. Die Bergungsaktion vor der libyschen Küste soll nach Angaben des italienischen Regierungschefs Matteo Renzi bis zu 17,5 Millionen Euro kosten. Mehrere Flüchtlinge waren unter Deck eingesperrt. Andere Leichen wurden im Wrack und auf dem niedrigsten Deck lokalisiert. Der Kutter sei schwer beschädigt. (APA, 8.7.2015)

  • Am 7. Juli wurden 13 unidentifizierte Leichen in Catania begraben. Die Menschen kamen bei dem Schiffsunglück im April ums Leben.
    foto: reuters/antonio parrinello

    Am 7. Juli wurden 13 unidentifizierte Leichen in Catania begraben. Die Menschen kamen bei dem Schiffsunglück im April ums Leben.

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