Wie man Geld ersetzen kann

7. Juli 2015, 20:52
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Die Griechen könnten bald eine neue Währung brauchen. Schuldscheine als Ersatz für Eurobargeld würden rasch an Wert verlieren

Hans-Werner Sinn vom Münchner Ifo-Institut schlägt als Soforthilfe für Griechenland die Einführung einer virtuellen Währung vor. Andere Ökonomen empfehlen ebenfalls Parallelwährungen neben dem Euro. Wozu ein zweites Zahlungsmittel notwendig ist, wo es doch ohnehin den Euro gibt?

Als Liquiditätshilfe, sagt Wifo-Budgetexperte Marcus Scheiblecker, und die Banken könnten so gerettet werden. Sie sind nicht gesund, weil sie griechische Staatsanleihen halten, werden nur noch von den Nothilfen der Europäischen Zentralbank am Laufen gehalten und zehren von den rund 40 Milliarden Euro an Einlagen, auf die die griechischen Sparer keinen beziehungsweise nur begrenzten Zugriff haben.

I owe you

Um den Staatsapparat am Laufen zu halten und Banken und Pensionen auszahlen zu können, braucht es alternative Zahlungsmittel. Schuldscheine sind eine Variante. Der Staat zahlt mit sogenannten IOU ("I owe you", Ich schulde Ihnen), die vom Handel und Dienstleistungsbetrieben als Zahlungsmittel akzeptiert werden müssen. So ein Schuldversprechen entspricht einer in der offiziellen Währung emittierten Nullkuponanleihe, ist übertragbar und wird nach bestimmter Laufzeit zurückgezahlt, aber eben ohne Zinsbelastung für den Staat.

Ähnlich verhält es sich mit den in den US-Bundesstaaten gebräuchlichen TANs, den "Tax anticipation notes", die allerdings nicht unbesichert sind, sondern einen verbrieften Anspruch auf Steuereinnahmen darstellen. TANs lösen keinen Zahlungsstrom aus, der Staat schmälert aber seine künftigen Steuereinnahmen.

Zweiter Wechselkurs

Da die Bonität des offiziell bereits als zahlungsunfähig geltenden Griechenland mittlerweile extrem ramponiert ist, würden die Bürger rasch merken, was das neue Zahlungsmittel wert ist: deutlich weniger als der Euro. Denn das Risiko, den Schuldschein nie eingelöst zu bekommen, ist erheblich, dafür gibt es einen Abschlag. "Der Schwarzmarktpreis würde sich rasch herausbilden", sagt Ökonom Scheiblecker, "das wäre dann der zweite Wechselkurs."

Bis Millionen Schuldscheine gedruckt und in Umlauf gebracht werden können – sie müssen in kleiner Stückelung vorliegen, sonst wären Einkäufe des täglichen Bedarfs nicht durchführbar –, dauert es eine Weile.

Reservegeld

Technisch würden sich dafür die bei der EZB in Frankfurt gelagerten Reservesätze an Banknoten anbieten. Sie hätten zwei Vorteile: Sie sind fälschungssicher (wie die Euroscheine), und die Bankautomaten in Europa sind abgesehen von kleineren Änderungen entsprechend programmiert, sagt der Wifo-Ökonom. Um sie vom "echten" Euro unterscheidbar zu machen und die Geldmenge stabil zu halten, müssten die als Schuldschein gebräuchlichen Reserve-Euros überdruckt oder überstempelt, jedenfalls deutlich sichtbar gekennzeichnet werden.

Und: Die Scheine wären rasch verfügbar. "Die Zeit drängt", sagt Scheiblecker, der Blutkreislauf der griechischen Wirtschaft stockt, Banken können keine Kredite für Investitionen vergeben. Das gefährde Arbeitsplätze. (ung, 8.7.2015)

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