Tiefe Einschnitte machen steirische Kulturszene betroffen

7. Juli 2015, 17:47
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"Zu viel Bildung" als Begründung

Graz – Mit Unverständnis reagieren wichtige Player der steirischen Kulturszene auf Kürzungen ihrer Drei-Jahres-Verträge mit dem Land Steiermark. Darunter so international Angesehene wie die Camera Austria (rund minus ein Viertel) oder das anspruchsvolle Drama Graz von Autor und Regisseur Ernst M. Binder (minus ein Drittel). Reinhard Braun, Leiter der Camera Austria will nun erst einmal die Vorstandssitzung der Camera am 17. Juli abwarten. Binder, vom Bundespräsidenten mit dem Berufstitel Professor geadelt, sieht die Kürzung "als Demontage meiner inzwischen 40-jährigen künstlerischen Arbeit und sie macht mich tief betroffen".

Die 1987 vom heuer verstorbenen Ex-ORF-Landesintendanten Emil Breisach gegründete Akademie Graz, muss auch mit einem Drittel weniger auskommen. Leiterin Astrid Kury denkt laut darüber nach, einen schmerzlichen Schlussstrich zu ziehen. Die Begründung des Kunst Kuratoriums des Landes: Ihr Programm beinhalte "zu viel Bildung" erscheint in Zeiten, da der Kunstbegriff immer offener und spartenübergreifender wird, besonders bemerkenswert.

"Zu viel Bildung"

Nicht so für den Vorsitzenden des Kuratoriums Igo Huber. Auf STANDARD-Nachfrage, wo für ihn die Grenze zwischen Kultur und Bildung verlaufe, meint Huber: "Wenn ich mich auf diese Diskussionsebene einlasse, bin ich bald für alles zuständig". Huber meint, die Akademie Graz solle sich auch für Förderungen im Bildungsreferat bewerben.

Unverständnis kommt auch von der Kultursprecherin der Grünen, Sandra Krautwaschl, die am Dienstag per Aussendung feststellt, Kulturlandesrat Christian Buchmann (ÖVP) habe in der laufenden Landtagssitzung bestätigt, "dass durch die – von den Grünen jahrelang geforderte – Auflösung der KSG (Kultur Service Gesellschaft) 400.000 Euro frei werden". Das mache die Kürzungen zusätzlich "völlig unverständlich". Krautwaschl fordert zudem, dass das Land das Fördersystem der Stadt Graz mit Fachbeiräten übernehmen solle. Es sei "transparenter und nachvollziehbarer" mit "mehr Wertschätzung den Kulturschaffenden gegenüber". (Colette M. Schmidt, 7.7.2015)

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