US-Energieminister Ernest Moniz: Der Top-Iran-Verhandler

Kopf des Tages7. Juli 2015, 17:22
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Atomphysik, Diplomatie und Monty Python

Dass die Atomverhandlungen mit dem Iran überhaupt so weit gekommen sind und dass bisher immer wieder über Fristen hinaus verhandelt werden konnte, ist zu einem gewissen Teil auch das Verdienst eines amerikanischen Physikers, den es in die Politik verschlagen hat: Ernest J. Moniz. Für den Guardianverkörpert der 70-Jährige die Symbiose von Wissenschaft und Politik sogar so gut, dass er von ihm als "role model" (Vorbild) schwärmt.

Ohne den akademisch ausgewiesenen Energieminister, den Präsident Barack Obama 2013 in sein Team holte, wäre der Verhandlungsweg womöglich schon verlassen worden: Es war Moniz, der gemeinsam mit seinem direkten Gegenüber – dem Chef der iranischen Atomenergiebehörde Ali Akbar Salehi – eingefahrene Positionen verließ und kreative technische Lösungen fand, die die Diplomaten, Minister und Staatschefs wieder in die Gänge kommen ließen.

Bekannte seit den 1980er-Jahren

Das Verhältnis zwischen Moniz und Salehi kann über den Verhandlungstisch hinweg als persönlich-vertrauensvoll bezeichnet werden: Die beiden kennen sich noch gut aus den 1980er-Jahren, in denen der Amerikaner – Sohn portugiesischer Einwanderer von den Azoren – Professor am Massachusetts Institute of Technology (MIT) war und der junge Salehi dort studierte.

Seinen ersten Ausflug in die Politik absolvierte Moniz von 1995 bis 2001 unter Bill Clinton. 1998 stand er als Energiestaatssekretär in der Schusslinie: Die Behörde war in Erklärungsnot, weil es wegen defekter Atommülltanks in der stillgelegten Plutoniumfabrik Hanford jahrelang zu Strahlungsemissionen gekommen war.

Ein Leben zwischen Forschung und Politik

2001 kehrte Moniz – der ein Faible für Opern, Fliegenfischen und die Komikertruppe Monty Python hat – an das MIT zurück, wo er Schwerpunkte in interdisziplinärer Forschung setzte; zu seinen Sponsoren zählten unter anderem BP, General Electric und Shell.

Als konzernfreundlich erwies er sich auch ab 2009 in Obamas Wissenschafts- und Technologierat: Dort sah er, sogar nach der AKW-Katastrophe von Fukushima 2011, die Zukunft in der "sauberen Atomenergie"; und Fracking bewertete er als "notwendige Überbrückungstechnologie".

Verheiratet ist Moniz mit einer brasilianischen Literaturprofessorin, das Paar hat eine erwachsene Tochter. Frau Moniz ist auch für die Langhaarfrisur des Ministers verantwortlich: "In all den Jahrzehnten hat immer nur meine Frau meine Haare geschnitten. Sie ist kein Profi, aber es macht Spaß und es ist okay so." (Gianluca Wallisch, 7.7.2015)

  • US-Energieminister Ernest J. Moniz mag Opern, Fliegenfischen ... und eigenwillige Frisuren.
    foto: reuters/daniel kramer

    US-Energieminister Ernest J. Moniz mag Opern, Fliegenfischen ... und eigenwillige Frisuren.

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