Vom Aussterben bedroht: Der Gspritzte

Kolumne15. Juli 2015, 09:04
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Wann wurde eigentlich aus weißem Spritzer Aperol Spritz, Hugo und Co?

Irgendwann um die Jahrtausendwende haben findige Marketingmenschen den Gspritzten zum Hacklergesöff degradiert und lustig bunte, picksüße Drinks zum Trend erklärt. In jedem Beisel finden sich jetzt derlei modische Eskapaden, meist in badewannengroßen Gläsern mit allerlei albernem Firlefanz dekoriert.

Nichts gegen Aperol Spritz. Aber, wie der Name schon sagt, handelt es sich dabei um einen Aperitif, der in Italien vor dem Abendessen an der Bar konsumiert wird. Hierzulande wird der grellorange Saft zum Kultgetränk stilisiert und zu jeder Tages- und Nachtzeit in groben Mengen aus Strohhalmen gezuzelt.

Minderwertigen Prosecco mit Hollersaft zu mischen ist ohnehin ein sensorischer Fehltritt und völlig für den "Hugo".

Staubtrockener Weißwein

Mit Wehmut erinnert man sich an den herrlich erfrischenden weißen Spritzer: Das Soda möglichst aus der Siphonflasche, serviert in stinknormalen Viertelgläsern.

Ein guter Spritzer ist im Übrigen nicht leicht zu fabrizieren: Fundament ist staubtrockener Weißwein ohne jegliches Aroma-Tuning: Am besten eignet sich der "Heckenklescher", ein einfacher, mit reichlich Säure ausgestatteter Grüner Veltliner. Unübertroffen an heißen Sommertagen und dennoch vom Aussterben bedroht. Es lebe der Gspritzte! (Christiana Fieber, Rondo, 10.7.2015)

  • Im Bild: Ein Granatapfel-Spritzer mit Sternanis garniert.
    foto: ap/matthew mead

    Im Bild: Ein Granatapfel-Spritzer mit Sternanis garniert.

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