"In Wien wird die Luft besser durchmischt"

Interview8. Juli 2015, 11:36
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Rainer Plank vom Bereich Luftmessnetz der MA 22 über Ozon-Alarmschwellen und die Luftqualität in Wien

In Ostösterreich wurde am Dienstag eine Ozon-Warnung ausgesprochen. Werte über der Alarmschwelle von 240 Mikrogramm pro Kubikmeter wurden um 14 Uhr an den Messstellen am Hermannskogel in Wien und in Klosterneuburg beobachtet. Rainer Plank vom Bereich Luftmessnetz der MA 22 berichtet, wodurch die Entstehung von bodennahem Ozon begünstigt wird, wie das Alarmsystem funktioniert und warum Wien geographisch im Vorteil ist.

STANDARD: Welche Arten von Ozon gibt es?

Rainer Plank: Man muss zwischen bodennahem Ozon und jenem in der Stratosphäre unterscheiden. Letzteres schützt gegen schädliche UV-Strahlung. Das bodennahe Ozon kommt natürlich vor und wäre auch vorhanden, wenn die Menschen nichts produzieren würden. Bei einer starken Konzentration kann jedoch eine Reizung der Augen, der Schleimhäute und im Lungengewebe auftreten.

STANDARD: Wann wurde das letzte Mal Ozonalarm ausgerufen?

Plank: Die letzte Alarmschwelle wurde in Wien im Jahr 2007 überschritten. Im vergangenen Jahr gab es in Wien überhaupt keine Schwellenüberschreitung. Tendenziell verbessert sich hier die Luftqualität.

STANDARD: Auf welche Weise werden die Ozonwerte gemessen?

Plank: Die rechtliche Grundlage ist das Ozongesetz. Es gibt acht Überwachungsgebiete. Das erste umfasst Wien, Niederösterreich, Nord- und Mittelburgenland. Es gibt zwei Schwellenwerte: Der Infoschwellenwert liegt bei 180 und die Alarmschwelle bei 240 Mikrogramm pro Kubikmeter. Wenn an einer Station in dem entsprechenden Gebiet einer der beiden Schwellenwerte überschritten wird, muss im gesamten Gebiet Alarm ausgelöst werden. Wir bekommen täglich Prognosen von der ZAMG.

STANDARD: Wieso steigt die Ozonbelastung im Sommer?

Plank: Damit Ozon gebildet wird, sind mehrere Voraussetzungen notwendig. Stickstoffoxide, Kohlenmonoxide und Kohlenwasserstoffe sind die Vorläufersubstanzen. Erstere werden meist vom Verkehr und der Industrie produziert. Die Sonnenenergie liefert die Energie für die Ozonbildung, und Windstille begünstigt die Entwicklung. In den vergangenen Tagen haben optimale Bedingungen geherrscht.

STANDARD: Wieso gibt es in Graz häufiger Überschreitungen, auch bei Feinstaub?

Plank: Auch die geografische Lage spielt eine Rolle. Graz liegt in einem Beckental und hat oft Inversionslagen. Das heißt, der Austausch der Luftmassen ist weniger gegeben als in Wien, wo die Donau durchfließt und zwei Drittel des Jahres kommt der Wind aus Nordwest und zu einem Drittel aus Südost.

derStandard.at: Wie rasch greift eine Reduzierung des motorisierten Verkehrs?

Plank: Die Ozonbildung passiert meist in ein bis zwei Tagen. Daher ist es auch schwer zu prognostizieren, wann eine starke Ozonbildung auftritt. Man kann dem Einzelnen im Sommer empfehlen, mehr öffentlichen Verkehr zu nutzen, Fahrgemeinschaften zu bilden oder auf das Grillen mit Holzkohle zu verzichten. (Julia Schilly, 8.7.2015)

  • Autoverkehr, UV-Strahlung und Windstille sind optimale Bedingungen für die Entstehung von Ozon.
    foto: apa/armin weigl

    Autoverkehr, UV-Strahlung und Windstille sind optimale Bedingungen für die Entstehung von Ozon.

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