Thomas Quasthoff: Aus Frankie Boys Songbook

7. Juli 2015, 16:54
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Der Sänger war wieder zu hören – beim Jazzfest mit dem Orchester der Vereinigten Bühnen Wien

Wien – 2012 war's auch der ARD-Tagesschau eine Meldung wert: Thomas Quasthoff beendet seine Sängerkarriere. "Ich habe mich entschlossen, mich nach fast 40 Jahren zurückzuziehen, da es mir meine Gesundheit nicht mehr erlaubt, dem Anspruch, den ich immer an mich selber gestellt habe, gerecht zu werden."

Drei Jahre später steht Quasthoff beim Sinatra-Tribute auf der Bühne der Staatsoper und klingt so, wie die meisten auf dem Höhepunkt ihrer Kunst gerne klängen. It Was a Very Good Year, einen Song, den Sinatra auf seinem emotional tiefer gehenden Album September of My Years (1965) verewigt hat, haucht er mit dem unendlichen Atem eines Klassikkönners und der Sensibilität eines erfahrenen Crooners. Schuberts Winterreise war Quasthoff so nah wie das Great American Songbook; Jazz war für ihn mehr als nur rekreativer Zeitvertreib. Und Quasthoff, auch My Funny Valentine hat er in der Oper zelebriert, verfügt nach wie vor über schnurrige Tiefen wie hypnotisch-poetische Höhen. Sein Umgang mit Dynamik und sein Legatostil lassen hoffen, er würde in Zukunft doch noch ein Jazzalbum andenken.

Delikate Billie-Holiday-Hommage

Der bunten Sinatra-Session, die das jazzkompetente Orchester der Vereinigten Bühnen fulminant durch alle Höhen und Tiefen trug, ging eine delikate Billie-Holiday-Hommage voraus: José James' kultivierter Stil wäre auch in den 1960ern nicht modern gewesen. Sein herb-zartes Timbre, sein quasi instrumentaler Stil der fast flügelhornartig wirkenden Linienführung hatte jedoch Flair. Bei der Sinatra-Hommage kam diesem Niveau (neben Quasthoff) noch der gediegene Allan Harris nahe. Louie Austen bescherte gestenreich und interpretatorisch im Verschmierten verharrend gute Bühnenlaune.

Angelika Kirchschlager ist ein Sonderfall. Sie brauchte schon bis zu Gershwins Summertime, um in die Emotion zu kommen, hier wirkte das Gesungene dann tief empfunden, authentisch – wie auch manch Weill-Moment. Möglich wäre sicher weitaus mehr. Kirchschlager, als tolle Sängerdarstellerin, hätte das Potenzial, auch im "leichten" Repertoire Tiefen zu finden. Das Mikro wäre dabei ein hilfreiches Instrument. Nur ist es eben ein zu beherrschendes Instrument. Es beschenkt einen mit intimem, diskretem Ausdruck, sofern es nicht überfordert wird. Siehe Thomas Quasthoff. (Ljubiša Tošić, 7.7.2015)

  • Thomas Quasthoff sang wieder, und das grandios.
    foto: apa / herbert neubauer

    Thomas Quasthoff sang wieder, und das grandios.

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