Ärzte ohne Grenzen kritisiert Luftangriffe

7. Juli 2015, 16:05
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Einsatzleiterin Gadenne: Luftangriffe in dicht besiedelten Regionen "inakzeptabel"

Wien – Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen hat am Dienstag die Luftangriffe der von Saudi-Arabien geführten Allianz im Jemen scharf kritisiert. "Es ist inakzeptabel, dass Luftangriffe in dicht besiedelten Gebieten stattfinden, wo Zivilisten ihrem Alltag nachgehen, insbesondere in Zeiten des Ramadan", so Colette Gadenne, die Einsatzleiterin von Ärzte ohne Grenzen im Jemen, in einer Aussendung.

Anlass für die Kritik war eine Serie von Luftangriffen am Samstagabend während des Fastenbrechens im Ramadan in der Stadt Beni Hassan im Nordwesten des Landes. Nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen wurden bei Angriffen auf einen Markt rund 20 Personen getötet und zahlreiche weitere verletzt.

Die Helfer der Hilfsorganisation trafen etwa eine halbe Stunde nach den Luftangriffen ein. Zu dieser Zeit wurden "Dutzende Verletzte" bereits mit Privatautos und öffentliche Transportmitteln in ein Gesundheitszentrum gebracht. Aufgrund der vielen Patienten und dem Schweregrad ihrer Verletzungen waren die medizinischen Teams von Ärzte ohne Grenzen überfordert: "Es war schrecklich. Wir haben nicht damit gerechnet, dass wir im kleinen Gesundheitszentrum von Beni Hassan so viele Schwerverletzte gleichzeitig behandeln müssen", sagte ein Arzt.

"Die humanitäre Lage im Jemen verschlechtert sich zunehmend", warnt die NGO. Familien würden zwischen den Fronten feststecken und hätten keinen Zugang zu Nahrungsmitteln, Treibstoff oder Kochgas. Die gezielten Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen und medizinisches Personal würden "schwerwiegende Folgen für die medizinische Hilfe" haben.

Im Jemen liefern sich seit mehreren Monaten schiitische Houthi-Rebellen und ihre Verbündeten Kämpfe mit Anhängern von Präsident Abd-Rabbu Mansour Hadi. Das Nachbarland Saudi-Arabien unterstützt die Kräfte Hadis durch Luftangriffe. (APA, 7.7.2015)

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