Kolumbien: Präsident entlässt nach Vorwürfen Armeespitze

8. Juli 2015, 15:47
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General Lasprillas Soldaten ermordeten Zivilisten – Guerilla bietet Waffenstillstand an

Wenige Tage nach der Veröffentlichung eines Berichts von Human Rights Watch, der schwere Vorwürfe gegen Kolumbiens Armeespitze erhob, hat Präsident Juan Manuel Santos die Oberbefehlshaber des Heeres, der Marine und der Luftwaffe entlassen.

Der scheidende Armeechef Jaime Alfonso Lasprilla kommandierte vor seiner Beförderung im Kampf gegen die linke FARC-Guerilla 15.000 Soldaten des Einsatzkommandos "Omega". Dass Soldaten unter seinem Kommando unschuldige Zivilisten ermordeten, um die Leichen als gefallene Aufständische zu präsentieren, hätte er wissen müssen, wirft ihm Human Rights Watch (HRW) vor.

Präsident Santos wies die Vorwürfe bei einer Ansprache vor Soldaten zurück und warf der NGO vor, das Ansehen der Armee zu beschmutzen, ohne über konkrete Beweise zu verfügen. Wenig später traf er allerdings HRW-Chef Jose Miguel Vivanco zu einem Vieraugengespräch und sagte einer Untersuchung der Vorwürfe zu, berichten kolumbianische Medien.

"Falsche Positive"

Der "Falsos Postivos"-Skandal beschäftigt Kolumbien seit Jahren. Die Armeeführung reagierte jahrelang nicht auf Hinweise, dass angeblich im Kampf getötete Aufständische in Wirklichkeit verschleppte Zivilisten waren. Einem aktuellen Bericht der kolumbianischen Staatsanwaltschaft zufolge töteten Soldaten seit 1986 insgesamt 4.475 Unschuldige, bisher wurden mehr als 5.000 Militärs angeklagt und 923 verurteilt.

Ein an die Öffentlichkeit gelangter Geheimerlass aus dem Jahr 2005 belegt, dass das Verteidigungsministerium eine regelrechte Preisliste für Kopfgelder benutzte, um die Motivation der Truppe zu erhöhen. So erhielten Soldaten, die angeblich Guerillakommandanten getötet hatten, Preisgelder ab 3,8 Millionen kolumbianische Pesos (damals etwa 1.300 Euro), für höhere Ränge gab es mehr als das Zehnfache.

General Lasprilla, der nur 17 Monate im Amt war, hat sich in jüngster Vergangenheit ablehnend zu den Friedensverhandlungen zwischen Regierung und Guerilla geäußert und sich für eine militärische Lösung ausgesprochen. Erst Ende Mai hatte Santos einen neuen Verteidigungsminister ernannt: Juan Carlos Pinzón war zuvor Mitglied des Verhandlungsteams, das sich seit 2012 um eine friedliche Lösung des jahrzehntelangen Konflikts bemüht.

Guerilla bietet Waffenruhe an

Die Unterhändler der kolumbianischen Farc -Guerilla haben bei den Friedensverhandlungen mit Regierungsvertretern in Havanna am Mittwoch einen einmonatigen einseitigen Waffenstillstand angekündigt. Die Waffenruhe solle ab dem 20. Juli gelten, sagte der Farc -Chefunterhändler Iván Márquez .

Die Farc hatten bereits im Dezember eine einseitige Waffenruhe ausgerufen, töteten im April jedoch in einem Hinterhalt elf Soldaten. Der kolumbianische Präsident Juan Manuel Santos ordnete daraufhin eine Wiederaufnahme der Luftangriffe auf mutmaßliche Stellungen der Rebellen an. Diese weiteten ihrerseits die Angriffe auf Sicherheitskräfte und die Infrastruktur des Landes aus. Ende Mai beendete die Farc die einseitige Waffenruhe offiziell. (bed, 8.7.2015)

  • Präsident Santos mit den scheidenden und den neuen Oberkommandierenden.
    foto: presidencia colombiana/juan david tena

    Präsident Santos mit den scheidenden und den neuen Oberkommandierenden.

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