Warum die Küste des Gelben Meeres jetzt grün ist

Ansichtssache8. Juli 2015, 13:38
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Ein Algenteppich überzieht wie schon in den vergangenen Sommern die Strände Chinas

Das Teilmeer zwischen der Ostküste Chinas und der Westküste Südkoreas wird als Gelbes Meer bezeichnet, doch derzeit sind die Küstengegenden in leuchtendes Grün getaucht. Algen überziehen das relativ seichte Wattenmeer und seine Strände seit einigen Wochen mit einem dichten Teppich.

Die sommerliche Algenverbreitung an den Küsten des Gelben Meeres ist ein relativ junges Phänomen. 2007 wurde es erstmals beobachtet, 2008 erreichten die Algen eine Ausdehnung von 14.000 Quadratkilometern. Vergangenes Jahr waren es bereits 29.000 Quadratkilometer, und heuer im Juni wurden nach wenigen Wochen 35.000 Quadratkilometer gemessen.

Die "grüne Flut" bewegt sich dabei tendenziell nach Nordosten und betrifft derzeit vor allem die Gebiete um die Küstenstädte Lianyungang, Rizhao und Qingdao.

Dünger und Nahrungsergänzungsmittel

Die Algen entwickeln sich laut örtlichen Wissenschaftern, indem sie Stickstoff und Phosphor von Verschmutzungen im Meerwasser aufnehmen. Die Forscher der chinesischen State Oceanic Administration gehen laut der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua davon aus, dass auch die steigenden Temperaturen zur starken Verbreitung der Lebewesen beitragen.

Während die Eukaryoten nicht giftig sind, blockieren sie einerseits den Lichteinfall an der Meeresoberfläche und konsumieren andererseits einen großen Teil des Sauerstoffs. Sie bringen die maritime Population damit um zwei überlebenswichtige Ressourcen und nehmen in der Folge Einfluss auf die Nahrungskette und also aus menschlicher Perspektive auf die Fischerei. An Land entwickeln die austrocknenden Algen einen unangenehmen Geruch, der auch das zweite wirtschaftliche Standbein in der Region, den Tourismus, gefährden könnte.

In Shandong haben die Behörden deshalb ein Programm gestartet, um mithilfe der lokalen Bevölkerung die Algen zu entfernen. Die Bewohner haben in den vergangenen Jahren zudem Wege gefunden, das geerntete Material weiterzuverarbeiten – zu Dünger, Tierfutter oder Nahrungsergänzungsmitteln. (mcmt, 7.7.2015)

foto: reuters/stringer

Ein Fischer auf einem algenüberzogenen Strand in Rizhao.

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foto: reuters/stringer

Spielende Kinder in Haiyang.

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Ein Küstenstrich bei Lianyungang.

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foto: reuters/china daily

In Qingdao reicht der grüne Teppich bis weit ins Landesinnere.

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foto: reuters/stringer

Baden in Haiyang.

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foto: reuters/china daily

Küstenreinigung vor der Skyline von Qingdao.

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