Initiative für deutschsprachige Anträge beim FWF

7. Juli 2015, 15:06
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Antrag auf Richtlinienänderung beim Wissenschaftsfonds geplant

Wien – Die Initiatoren einer Online-Petition für deutschsprachige Anträge beim Wissenschaftsfonds FWF wollen eine Richtlinienänderung beim Fonds erreichen. Mit ihrer bisher von 2.800 Personen unterzeichneten Petition wollen sie ihrer Forderung "Nachdruck verleihen", wie es am Dienstag bei einer Pressekonferenz hieß. Primär wollen sie aber damit eine "breite kulturpolitische Debatte" anstoßen.

Wer für ein Grundlagenforschungsprojekt FWF-Förderung will, muss einen Antrag auf Englisch schreiben. Diese schon lange in den Natur- und Sozialwissenschaften geltende Regelung wurde 2008 auf fast alle geisteswissenschaftlichen Gebiete ausgeweitet. Thomas Corsten, Professor am Institut für Alte Geschichte und Altertumskunde der Uni Wien, hat vor einigen Wochen die Petition "Für deutschsprachige Anträge beim FWF" gestartet.

Für Mitstreiter Oliver Schmitt, Professor am Institut für Osteuropäische Geschichte der Uni Wien, verfolge man mit der Petition die selben Ziele wie der FWF, nämlich Geisteswissenschaft auf möglichst hohem Niveau zu betreiben. Unterschiedlicher Meinung sei man über den Weg dorthin, insbesondere bei der Bedeutung der Sprache.

"Kulturpolitische Frage"

Für Schmitt ist dies aber nicht nur ein "technisches Problem", bei dem man das Deutsche gegen das Englische stelle, sondern eine "kulturpolitische Frage": "Was uns fehlt, ist eine breite kulturpolitische Debatte zur Situation in Europa, wo wir uns immer weniger verstehen, weil die Sprachkenntnisse zurückgehen", sagte Schmitt. Einsprachigkeit sei für die Geisteswissenschaften gefährlich, weil sie Erkenntnismöglichkeiten einschränke. In der Spitzenforschung in Großbritannien und den USA sei Vielsprachigkeit eine Selbstverständlichkeit.

Weil es eben um die großen europäischen Wissenschaftssprachen – neben Deutsch auch Französisch und Italienisch – gehe und ähnliche Tendenzen in Italien und Frankreich zu beobachten wären, sei die Petition "zu einer europäischen Initiative geworden", wie man anhand der Herkunft der Unterzeichner sehe, so Schmitt. Über eine Ausweitung ihrer Forderungen auf europäische Ebene, etwa auch in Richtung die Förderprogramme der EU, haben sich die Initiatoren aber noch keine Gedanken gemacht. Mit Deutschtümelei oder gar deutschnationalen Vorstellungen, wie man sie in manchen Kommentaren zur Petition findet, wollen die Initiatoren nichts zu tun haben.

Kritik an "Machtposition" des FWF

Die Initiatoren sparten auch nicht mit Kritik am FWF, den sie mangels anderer Förderquellen in diesem Bereich in einer "außerordentlichen Machtposition" sehen: Schmitt ortet eine "Verschiebung im Selbstverständnis des FWF, weg vom Dienstleister hin zu einer Institution, die regulatorische Maßnahmen trifft". An manchen Argumenten des Fonds will Corsten die Rolle erkennen, in der sich der FWF sehe – "als pädagogische Einrichtung für schwer erziehbare Wissenschafter". Bisherigen Änderungswünschen gegenüber habe sich der FWF "taub gestellt".

Dabei gibt es für Corsten eine "einfache Lösung: Man macht es wie bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG)", der Schwestereinrichtung des FWF. Dort könnten Anträge in Deutsch oder Englisch gestellt werden, man könne die Sprache wählen, die man am besten für sein Fach erachte.

Der FWF und zuletzt auch Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) haben die Verpflichtung zu englischsprachigen Anträgen verteidigt. Der FWF begründet seine Regelung u.a. mit der Gleichbehandlung und Vergleichbarkeit der Anträge, der Vergrößerung des Pools an hochrangigen Experten, der Förderung von interdisziplinärer Forschung, der Erhöhung der Sichtbarkeit der österreichischen Forschung und Erschließung neuer Förderungsmöglichkeiten. (APA, 7.7.2015)

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