ProSiebenSat.1: Verlegerin Friede Springer wird Kontrolle nicht abgeben

7. Juli 2015, 12:53
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Insider: Springer wäre bei Fusion kein Junior Partner

Berlin/Wien – Die Medienkonzerne Axel Springer und ProSiebenSat.1 prüfen nach Medienberichten den Zusammenschluss beider Unternehmen. Eine mit der Angelegenheit vertraute Person bestätigte der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX, die Gespräche seien in einem frühen Stadium. Ein Kauf von Springer durch ProSiebenSat.1 sei wegen zu erwartender Widerstände bei Springer eher unwahrscheinlich.

Friede Springer und die Kontrolle

Das Unternehmen ist überwiegend in der Hand der von Friede Springer geführten Axel Springer Gesellschaft für Publizistik. Am Dienstag dementierte Springer Spekulationen, dass Friede Springer die Kontrolle über das Unternehmen abgeben könnte. Zu Berichten über eine mögliche Fusion mit ProSiebenSat.1 wollte eine Sprecherin keine Stellungnahme abgeben. "Deswegen entbehren Spekulationen bezüglich der Abgabe dieser Kontrolle jeder Grundlage", so eine Sprecherin. Der Konzern äußere sich "zum Wahrheitsgehalt von Marktspekulationen grundsätzlich nicht".

Kommanditgesellschaft auf Aktien

Die Axel Springer SE arbeite unverändert an der Umwandlung der Rechtsform des Unternehmens in eine KGaA, erklärte der Konzern weiter. Das Ziel sei, die Kontrolle von Friede Springer langfristig sicherzustellen und Wachstumsoptionen zu erschließen. Mit einer Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) soll sichergestellt werden, dass auch bei Kapitalerhöhungen der Einfluss der Mehrheitseigentümerin erhalten bleibt.

Eine mit der Sache vertraute Person sagte, denkbar sei derzeit eigentlich nur ein Zusammenschluss unter Gleichen oder eine andere Konstruktion. Davor hatten das "Wall Street Journal" und die Nachrichtenagentur Bloomberg über die Fusionsgespräche berichtet. Ein Sprecher von ProSiebenSat.1 wollte sich dazu nicht äußern.

Anleger feierten die Nachricht trotzdem schon einmal. Am Dienstagvormittag legte die Springer-Aktie im MDax um mehr als acht Prozent zu, ProSiebenSat.1 lag mit fast sieben Prozent im Plus.

Marktmacht der Zusammenschlüsse

Sollten die Pläne umgesetzt werden, würde damit der zweitgrößte Medienkonzern in Deutschland nach Bertelsmann mit einem Umsatz von insgesamt rund 6 Mrd. Euro entstehen. Springer hatte bereits 2006 eine Übernahme von ProSiebenSat.1 geplant, dies war aber vom deutschen Bundeskartellamt untersagt worden. Ein Zusammenschluss hätte zu einer zu großen Marktmacht geführt. Ein Veto der Medien-Kontrollkommission KEK hatte vor Gericht keinen Bestand.

Dem Bundeskartellamt liegt bisher keine Anmeldung für eine Fusion zwischen den Medienhäusern AxelSpringer und ProSiebenSat.1 vor, wie am Dienstag ein Sprecher der Behörde erklärte. Das Kartellamt müsste einen Zusammenschluss überprüfen. Sollte dieser den Wettbewerb erheblich behindern, kann die Behörde die Fusion untersagen oder unter Auflagen genehmigen.

Traditionstitel in Zeiten der Digitalisierung

Unter Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner hat sich das Medienhaus in den vergangenen Jahren verstärkt auf die Digitalisierung seiner Verlagsangebote konzentriert und mehrere Traditionstitel wie das "Hamburger Abendblatt" und die "Berliner Morgenpost" sowie Zeitschriften an die Funke-Gruppe ("Westdeutsche Allgemeine Zeitung") verkauft. Mehr als die Hälfte des Umsatzes erwirtschaftetSpringer im Internet, unter anderem auch mit Immobilien- und Jobportalen.

Thomas Ebeling, Vorstandsvorsitzender von ProSiebenSat.1, treibt ebenfalls die Vernetzung des TV-Geschäfts mit dem Digitalsegment voran. Der Konzern betreibt neben dem klassischen Fernsehen mehrere Internet-Portale.

Update – 14:00 Uhr

Der Axel Springer Verlag dürfte einem Insider zufolge bei einem möglichen Zusammenschluss mit ProSiebenSat.1 auf Augenhöhe mit dem Fernsehkonzern bleiben. "Springer und Junior Partner – das sind Begriffe, die sich ausschließen", sagte eine mit der Situation vertraute Person am Dienstag. Zudem werde die Witwe des Verlagsgründers samt Familie die Macht über den Konzern nicht abgeben.

Mit einer Marktkapitalisierung von knapp 10 Mrd. Euro wird ProSieben an der Börse derzeit etwa doppelt so hoch bewertet wie Springer. Seit dem ersten Anlauf zu einer Fusion der beiden Unternehmen vor etwa zehn Jahren hat die Springer-Aktie etwa um die Hälfte zugelegt. Der Kurs der ProSieben-Titel hat sich allerdings mehr als verdreifacht. (APA/Reuters, 7.7.2015)

  • Friede Springer.
    foto: reuters/fabrizio bensch

    Friede Springer.

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