"Deus Ex"-Erfinder zweifelt an Virtual Reality: "Niemand will albern aussehen"

Bericht7. Juli 2015, 14:39
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Warren Spector hält VR-Games für "Modeerscheinung"

Wenngleich in der Spieleindustrie ein Hype um Virtual Reality herrscht, glaubt nicht jeder Entwickler an eine große Zukunft der Technologie im Unterhaltungsbereich. In einem Interview mit "Gamesindustry" spricht der Games-Veteran und Erfinder von "Deus Ex" Warren Spector über die Chancen von VR.

Der Games-Veteran glaubt fest daran, dass Virtual Reality eine "Modeerscheinung" ist. Das Interesse dafür werde sich innerhalb der Hardcoregamer breit machen. Chancen für VR sieht er aber, ähnlich wie Oculus-Rift-Erfinder Palmer Luckey, jenseits der Gaming-Branche.

Alberne Headsets

"Ich habe meine Meinung nicht geändert, wonach VR eine Modeerscheinung ist. Ich denke, es wird Interesse unter Hardcore-Gamern wecken", sagt Spector und weist auf seiner Meinung nach bessere Einsatzgebiete hin: "Ich sehe großartige Chancen in VR für Social Media und virtuellen Meetings und Ausbildungen und in verrückten Dingen, wie den Umgang mit Phobien. Aber für Entertainment? Das sehe ich einfach nicht kommen. Ich denke die meisten Menschen wollen nicht albern ausschauen (jeder schaut mit einem VR-Headset doof aus) und die meisten wollen sich selbst nicht von der Außenwelt isolieren. Ich meine, wenn sich jemand von hinten mit einem Baseballschläger an mich heranschleicht, dann möchte ich das wissen. Wissen Sie was ich meine? Und lassen Sie uns nicht über das Übelkeitsgefühl sprechen."

Erfahrungen mit der Entwicklung von VR-Games hat Spector bereits in den 90er-Jahren machen können. Jetzt sei er aber nicht mehr daran interessiert. Mehr Potenzial sieht er hingegen in Augmented-Reality-Anwendungen, bei denen mithilfe von mobilen Endgeräten oder spezieller Brillen wie Google-Glass und HoloLens die Realität durch virtuelle Inhalte erweitert wird.

Schöne, neue Gamingwelt

Enttäuscht zeigt sich Spector unter dessen über die hohe Anzahl der Spielfortsetzungen, die auf der vergangenen Branchenmesse E3 gezeigt wurden und hofft daher umso mehr auf kreative Independent-Games. "Innovation war schon immer schwer zu verkaufen", moniert der Entwickler.

Um jungen Entwicklern mehr Chancen zu bieten und den Markt beständiger zu machen, lanciert Spector einerseits die "Denius-Sams-Gaming-Academy" und arbeitet andererseits an neuen Geschäftsmodellen für die Gaming-Branche. "Es scheint so, als wüsste niemand mehr wie man Geld macht. Ein bisschen beängstigend."

Bis zu dem Zeitpunkt, an dem er in die Spieleproduktion zurückkehrt, wolle er sich mit der Entwicklung im mobilen Bereich beschäftigen und herausfinden wie Games als Service funktionieren. "Ich muss vorbereitet sein für die schöne, neue Welt." (lmp, 7.7.2015)

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    foto: ap photo/jae c. hong
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