Heftige Kritik: Google-Werbung zielt auf drogensüchtige Nutzer

7. Juli 2015, 10:18
6 Postings

Googles Profiling-System soll auch Gesundheitsdaten verwenden und nach Geschlecht diskriminieren, so eine Studie

Präzise Daten über Nutzer, die dann zu Werbezwecken verkauft werden können: Nach diesem Geschäftsmodell funktionieren eine Vielzahl großer Internetkonzerne. Konsumenten lassen sich im Gegenzug für die Gratisnutzung der Services gern auf diesen Deal ein. Doch selten ist klar, was mit den Informationen tatsächlich passiert. Etwa bei Googles Werbenetzwerk: Welche Daten fließen in das persönliche Profil ein, das über Nutzer kreiert wird? Das wollten nun Forscher der Carnegie Mellon University herausfinden. Sie haben ein Tool namens "AdFisher" gebaut, das die automatisch eingeblendeten Werbeanzeigen analysiert, die via Google auf fremden Websites gezeigt werden.

Männer bekommen eher Werbung für Manager-Jobs

Ihr Ergebnis: Die Google-Werbeanzeigen diskriminieren in einigen Fällen eindeutig. So wurde "männlichen" Versuchskaninchen viel mehr Werbung für hochrangige Manager-Jobangebote angezeigt, die bei Frauen mit derselben fiktiven Vita nur selten vorkam. Eine weitere Kritik: Google nutze gesundheitsbezogene, intime Daten. Wer etwa nach Informationen im Bereich Suchtgift googlet, bekommt später Anzeigen für Entzugskliniken und Therapien. Das kann etwa gefährliche Konsequenzen haben, wenn diese Werbungen von Kollegen oder Vorgesetzten bemerkt werden.

Drogensucht als "Persönlichkeitsmerkmal"?

Google selbst gibt an, keine "gesundheitsbezogenen Daten" für Werbezwecke zu verwenden. Ob Suchtprobleme nach der Definition des Suchmaschinisten dazu zählen, ist unklar. Die Forscher stellen allerdings klar, dass Diskriminierung im eigentlichen Wortsinn ja auch der Zweck des Werbeprofilings ist. Allerdings dürfe dies nicht unfair sein oder zu persönliche Daten betreffen. Google selbst will die Ergebnisse der Forscher nun analysieren, um die Algorithmen seiner Werbeabteilung zu verbessern. Auch Microsoft hat bei den Wissenschaftern angeklopft, um die Suchmaschine Bing zu verbessern.

Schwierige Fehlersuche

Oftmals können Suchmaschinen-Betreiber selbst nicht ganz eindeutig nachvollziehen, warum ihre Systeme diese oder jene Werbung ausspucken, erklärt das Technology Review. Verbesserungen seien aber notwendig. So warnte auch die US-Regierung davor, dass Big Data zur "Einschränkung von wichtigen Bürgerrechten in den Bereichen Wohnen, Finanzen, Arbeit, Gesundheit, Bildung und Handel" führen könne. (fsc, 7.7.2015)

Share if you care.