Lymphdrüsenkrebs: Wie der Tumor Immunangriffe abwehrt

7. Juli 2015, 08:39
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Natürliche Killerzellen des Immunsystems können bösartige Zellen beim Lymphdrüsenkrebs in Schach halten. In der direkten Umgebung des Tumors verlieren sie aber ihre Wirkung

Die natürlichen Killerzellen (NK-Zellen) sind Teil des Immunsystems und vermitteln eine angeborene Immunität gegen körperfremde sowie gegen veränderte körpereigene Strukturen. Das könnte auch für Tumorzellen gelten, gegen die der Körper dann immun wird wie gegen Krankheitserreger, etwa Viren.

Tumoren der Lymphdrüsen, sogenannte Lymphome, sind bösartige Neubildungen, die von den B- oder T-Zellen des lymphatischen Systems ausgehen. Die sogenannten B-Zell-Lymphome sind allerdings nur schwer zu behandeln.

Frühere Versuche hatten gezeigt, dass NK-Zellen prinzipiell in der Lage sind, B-Lymphomzellen anzugreifen und daher als Ansatz für neue Behandlungsstrategien gelten. Allerdings ist im lebenden Organismus die Tumorkontrolle durch NK-Zellen deutlich eingeschränkt.

In Tumornähe verminderte Funktionsfähigkeit

In Versuchen fand ein Forscherteam des Instituts für Molekulare Immunologie am Helmholtz-Zentrum München, heraus, dass die NK-Zellen in der unmittelbaren Nähe des Tumors eine verminderte Funktion zeigten. Wurden die Zellen in eine normale Umgebung gebracht, konnte ihre Funktion nach wenigen Stunden wieder hergestellt werden.

Der Schluss daraus: Die Faktoren, die für die Inaktivierung der NK-Zellen verantwortlich sind, stammen aus dem Tumor selbst. Tatsächlich konnten die Wissenschaftler in ihrer Studie zwei wichtige tumorspezifische Faktoren identifizieren, die mit einer NK-Zell-Funktionseinschränkung in Verbindung stehen: Einerseits ist ein bestimmter Entzündungsbotenstoff (IL-10) an der Inaktivierung von NK-Zellen indirekt beteiligt. Darüber hinaus entwickeln die Tumorzellen Schutzmechanismen vor den Killerzellen.

Die Wissenschaftler konnten nachweisen, dass bestimmte Oberflächenmoleküle der Tumorzellen (NKG2D-Liganden), an denen die NK-Zellen angreifen, herunterreguliert werden. Den NK-Zellen fehlt dadurch ein wichtiger Aktivierungsmechanismus und sie sind nicht mehr in der Lage, ihre zelltötende (zytotoxische) Aktivität auszuüben.Trotz der hemmenden Strategien der Tumorzellen produzieren die NK-Zellen in einem frühen Stadium den Immunbotenstoff Interferon-Gamma (IFN-γ), berichten die Forscher.

Mögliche Immuntherapie

IFN-γ ist essentiell, um weitere Immunreaktionen zu aktivieren, die die Bekämpfung des Tumors unterstützen. "Unsere Ergebnisse zeigen, dass der Transfer von NK-Zellen als mögliche Behandlungsstrategie bei B-Zell-Lymphomen in Frage kommt. Nach unseren Erkenntnissen kann der Therapieansatz optimiert werden, wenn transferierte NK-Zellen vor der Gabe bereits in vitro aktiviert werden, so umginge man das fehlende Aktivierungspotenzial in der Tumorumgebung. Eine zusätzliche Gabe von IFN-γ oder von Antikörpern gegen IL-10 könnte die Immunaktivität noch weiter unterstützen", erklärt Studienleiter Ralph Mocikat. (red, 7.7.2015)

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