Blut in der Windel: Ursache könnte in Darmflora liegen

7. Juli 2015, 09:27
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Forscher vermutet, dass Blut im Stuhl nicht primär mit allergischer Reaktion auf Kuhmilch-Proteine zusammenhängt

Graz – Blut in der Windel ist für die Eltern von Säuglingen beunruhigend. Häufig wird als Ursache eine allergische Reaktion auf Kuhmilch-Proteine angenommen. Martin Hoffmann von der Med-Uni Graz vermutet dahinter jedoch ein Ungleichgewicht der Mikroben der Darmflora und hat dazu eine systematische Studie initiiert.

Blut im Stuhl bei Säuglingen sind ein deutliches Signal: Häufig ist der Grund relativ harmlos, etwa ein Einriss der Analschleimhaut hat. Weitere Ursachen können Hämorrhoiden, eine Magen-Darm-Infektionen, Ausstülpungen der Schleimhaut oder wie bisher in vielen Fällen angenommen – eine Kuhmilch-Protein-Allergie – sein. Geht der blutige Stuhl mit einer Entzündung des End-und Dickdarms einher, spricht man von einer distalen Proktokolitis.

Im Fall der distalen Proktokolitis zweifelt Hoffmann das bisherige Erklärungsmodell einer allergischen Reaktion an. Es habe sich in vielen Fällen gezeigt, dass eine mehrwöchige Eliminationsdiät ohne Kuhmilch-Proteine, zu einer Verbesserung führt. Nehmen die Säuglinge dann wieder Kuhmilch-Proteine zu sich, kommt es aber nicht in allen Fällen wieder zu einer neuerlichen Verschlechterung: "In diesen Fällen kann es sich nicht um eine Allergie handeln", ist Hoffmann überzeugt. "Es gibt gute Gründe anzunehmen, dass der Wechsel der Ernährung und die einhergehende Veränderung der Darmflora, die wahre Ursache ist", betont der Grazer Forscher.

Mehrere Hürden nehmen

Hoffmann spricht in diesem Zusammenhang von einer sogenannten Dysbiose, also einem Zustand des Ungleichgewichts, der Darmflora. "Gerät sie aus ihrer normalen Balance, können schädliche Bakterien überhandnehmen." Die Umstellung der Säuglingsnahrung auf kuhmilchfreie Ernährung würde demnach eine "Normalisierung der Darmflora" bewirken – und nicht wie bisher angenommen – eine Beendigung einer allegischen Reaktion. "Das wäre eine grundlegende Veränderung im Verständnis und der Erklärung der Erkrankung", so der Mediziner.

Zur eindeutigen Klärung seiner These wird an der Grazer Kinderklinik nun eine Studie mit Stuhlproben von rund 130 Säuglingen mit und ohne Darmentzündung durchgeführt. Eine Herausforderung sei die Erfassung aller verschiedenen Arten von Bakterien: Dazu wird die 16s-rRNA-Analyse, die spezielle genetische Abschnitte der Mikroben untersucht, eingesetzt.

"Eine weitere Hürde ist der Umstand, dass sich die Darmflora im ersten Lebensjahr auf natürlichem Weg permanent verändert", sagt Hoffmann. Das erschwere die Erfassung von zusätzlichen Veränderungen durch eine Erkrankung: "Wir werden deshalb für jedes einzelne Kind analysieren, wie sich seine Darmflora innerhalb von acht Wochen verändert und erwarten, dass wir in den untersuchten Gruppen unterschiedliche Muster erkennen werden", berichtet der Forscher. (APA, 7.7.2015)

  • In einer Studie soll die Darmflora von 130 Säuglingen während eines Zeitraums von acht Wochen beobachtet und analysiert werden.
    foto: heribert corn/www.corn.at

    In einer Studie soll die Darmflora von 130 Säuglingen während eines Zeitraums von acht Wochen beobachtet und analysiert werden.

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