Lucke erwägt neue "Alternative für Deutschland"

6. Juli 2015, 18:19
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Der Parteigründer lässt nach Wahlsieg von Frauke Petry über eine Gegenbewegung abstimmen

Ganz geschlagen gibt er sich noch nicht. Bernd Lucke, der die Alternative für Deutschland (AfD) als wirtschaftsliberale Protestpartei gegründet hatte, am Wochenende aber deren Vorsitz an die nationalkonservative Frauke Petry abgeben musste, ist kurz nach seiner Niederlage mit seinen Getreuen wieder zu neuen Taten bereit.

Die Europaparlamentarierin Ulrike Trebesius, eine Mitstreiterin Luckes, kündigte am Montag an, man werde die Mitglieder des "Weckrufs 2015" in den kommenden Tagen fragen, "ob wir gemeinsam austreten sollen aus der AfD". "Weckruf 2015" nennt sich jener Verein innerhalb der AfD, in dem Lucke rund 4000 seiner Anhänger versammelt hat.

Option Winterschlaf

Diese wollen, dass sich die AfD weniger nationalkonservativ und stärker wirtschaftsliberal gibt. Zum Vergleich: Insgesamt hat die AfD 22.000 Mitglieder. Lucke erwägt auch die Gründung einer eigenen, neuen Partei. Und es gäbe da nach den Worten von Trebesius noch eine Alternative: "Oder wir gehen in der AfD in den Winterschlaf."

Die ersten Wirtschaftsliberalen flüchten nach Petrys Sieg vom Wochenende bereits. Der frühere Präsident des Bundes Deutscher Industrieller (BDI) und AfD-Europaparlamentarier Hans-Olaf Henkel (ein Vertrauter von Lucke) ist bereits aus der Partei ausgetreten. "Nicht ich habe die AfD verlassen, sondern die AfD mich", erklärte er. Für Pöbeleien und Intrigen sei er nicht zu haben. Es drohe nun eine "NPD im Schafspelz".

Kein Kurswechsel

Aus Bayern, Schleswig-Holstein, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg berichten Parteifunktionäre, dass viele AfD-Mitglieder auch die Partei verlassen wollen. Petry, die für die "Drei-Kind-Familie", eine stärkere Sicherung der Grenzen und den Dialog mit Islamkritikern eintritt, bestreitet jedoch, dass es mit ihr nun einen Kurswechsel geben wird. Vielmehr habe sich die Partei "die Freiheit über die Themen wieder zurückerobert". Sie hatte Lucke immer wieder vorgeworfen, zu sehr auf das Thema Euro und Finanzpolitik zu setzen.

Auf Luckes Überlegungen, die AfD zu verlassen, reagierte Petry gelassen und erklärte: "Bernd Lucke hat angekündigt, für nichts mehr anzutreten in diesem Bundesvorstand. Er muss selbst entscheiden, wie er seine weitere politische Zukunft sieht. Am Ende eines Streits gibt es entweder eine Versöhnung oder gegebenenfalls eine saubere Trennung. Die Entscheidung liegt bei ihm." (Birgit Baumann aus Berlin, 6.7.2015)

  • Frauke Petry triumphiert über Bernd Lucke. Sie hat den Machtkampf gewonnen und ist nun Parteichefin der Alternative für Deutschland (AfD).
    foto: apa / epa / maja hitij

    Frauke Petry triumphiert über Bernd Lucke. Sie hat den Machtkampf gewonnen und ist nun Parteichefin der Alternative für Deutschland (AfD).

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