Thalhammer sah "sehr gute WM"

6. Juli 2015, 17:56
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Österreichischer Teamchef genoss unterschiedliche Spielstile, ortete aber auch mangelnde taktische Entwicklung

Vancouver/Wien – Am Ende stellte sich sogar Barack Obama als Gratulant ein. "Ihr Land ist so stolz auf Sie alle", twitterte der Präsident nach dem Finalerfolg der US-Fußballerinnen gegen Japan in Vancouver. Die WM in Kanada hat ihr würdiges Endspiel gesehen. Freilich, an Spannung war es überbietbar. 3. Minute: Carli Lloyd 1:0; 5. Minute: Carli Lloyd 2:0; 14. Minute: Lauren Holiday 3:0; 16. Minute: Lloyd zum Dritten und von der Mittellinie. Japans Torhüterin Ayumi Kaihori stand zu weit vor dem Tor, 4:0. Das Spiel war entschieden. Die Titelverteidigerinnen zeigten zumindest Moral, trafen immerhin zweimal. Mehr war nicht drin.

Die US-Frauen nahmen für die Finalniederlage nach Elfmeterschießen vor vier Jahren in Deutschland Revanche, sind zum dritten Mal nach 1991 und 1999 Weltmeister, zum ersten Mal auf Kunstrasen. Der Fußballweltverband Fifa hatte den Untergrund so gewollt. Die Fußballerinnen nicht, eine Klage war aber wieder zurückgezogen worden. Einen Gefallen habe man den Spielerinnen mit der Kunstrasen-WM nicht getan, sagt Dominik Thalhammer. Der Teamchef der ÖFB-Frauen sah vor allem zu Beginn des Turniers große Anpassungsprobleme. Die US-Amerikanerinnen waren dadurch eher nicht benachteiligt. In der US-Liga wird großteils auf Kunstgras gespielt.

Insgesamt sah Thalhammer eine "sehr gute WM" mit unterschiedlichen Spielideen. Während etwa Japan und Frankreich das Kurzpassspiel bevorzugten, verstünden sich die meisten anderen Teams auf das Vertikalspiel. Thalhammer hätte sich allerdings mehr Entwicklung erwartet. "Vor allem im Angriffsdrittel gab es Probleme." Auch in Sachen Kreativität wurde der 44-Jährige enttäuscht. "Bei den taktischen Trends orientiere ich mich eher an den Männern."

Österreich auf Tuchfühlung

Dass heuer erstmals 24 statt 16 Teams wie noch 2011 mitspielten, sieht Thalhammer positiv. "Vielleicht hätte man eine andere Aufteilung finden können." Nur ein Drittel der Auswahlen kam aus Europa, dem stärksten Kontinent, was die Anzahl der Spitzenteams angeht. Stattdessen durften mit der Côte d'Ivoire (0:10 gegen Deutschland) oder Ecuador (1:10 gegen die Schweiz) Teams mitspielen, die eher nicht auf Augenhöhe mit der Weltspitze waren. Österreichs Frauen haben zumindest Tuchfühlung zu den besten. Thalhammer: "Wir haben gezeigt, dass wir mithalten können."

Die ÖFB-Frauen hatten in ihrer WM-Quali-Gruppe Rang zwei belegt, verloren gegen die Französinnen zweimal 1:3. Und gegen Australien in Kanada im Viertelfinale mit 0:1 an Japan gescheitert, gewann das ÖFB-Team in einem Test im April 2:1. Das nächste Großereignis soll nicht mehr ohne österreichische Teilnahme auskommen: EM 2017, Niederlande, 16 statt zuletzt zwölf Nationen. Das ist das große Ziel.

"Wir haben sehr viel Potenzial", sagt Thalhammer. Sein Team weist ein Durchschnittsalter von 22 Jahren auf. In Kanada zeigte sich, dass Erfahrung ein wichtiger Faktor ist. Die 35-jährige Abby Wambach, 2012 Weltfußballerin und mit 183 Treffern Weltrekordtorjägerin, kam in Kanada zwar nur noch zu Kurzeinsätzen, aber endlich zum lange ersehnten WM-Titel. Und die 32-jährige Carli Lloyd wurde zur besten Spielerin des Turniers gewählt. Die Mittelfeldakteurin war einfach nur "stolz auf dieses Team." Und das Land war stolz auf seine Fußballerinnen.

"Kommen Sie bald das Weiße Haus mit dem Pokal besuchen", twitterte Obama noch. Lloyd antwortete prompt: "Thank you Mr. President! Wir sehen uns bald." (rie, sid – 6.7. 2015)

  • Begeisterung herrschte um das erfolgreiche US-Team: Finale schauen in Chicago.
    foto: apa/epa/maury

    Begeisterung herrschte um das erfolgreiche US-Team: Finale schauen in Chicago.

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