Griechen erinnern sich an ihren Australien-Pass

7. Juli 2015, 22:02
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Rückkehrer nach Down Under versuchen hier Arbeit zu finden, doch die Einreisekriterien sind strikt

Gyros, Pita und Zaziki auf dem Tisch – romantische Musik und weißgetünchte Wände: In diesem griechischen Restaurant in Melbourne fühlt man sich in den Urlaub auf Santorin zurückversetzt. Nur Georges breiter "Aussie"-Slang lässt erahnen, dass er nicht in einem griechischen Bauerndorf geboren wurde, sondern in einem Melbourner Vorort.

Mit 300.000 griechischstämmigen Einwohnern soll Melbourne weltweit die größte Ansammlung von Griechen außerhalb von Athen und Thessaloniki haben. Die ersten Griechen waren sieben Piraten, die von Großbritannien 1829 in die Sträflingskolonie an das Ende der Welt verbannt worden waren. Später wurde Australien ein beliebtes Ziel für Auswanderer aus Griechenland. Schätzungsweise 600.000 bis 700.000 Australier haben griechisches Blut – in zweiter, dritter oder vierter Generation. 2011 lebten knapp 100.000 in Griechenland geborene griechische Staatsbürger in Australien. Die meisten besitzen den Pass beider Länder.

Jetzt stellen griechische Gemeindeverbände einen signifikanten Anstieg der Zahl von Rückkehrern aus Griechenland fest – zwischen 10.000 und 20.000 Menschen seit 2013. Tausende von Australien-Griechen der ersten und zweiten Generation waren in den 70er-, 80er- und 90er-Jahren in ihr Heimatland zurückgekehrt, um in einer Zeit von Hoffnung und Zukunftsglauben Geschäfte aufzubauen. Allein in Athen sollen bis zu 120.000 Australien-Griechen leben.

Immer häufiger erinnern sie sich an den verstaubten australischen Pass. Sie buchen einen Flug nach Down Under. Viele kämen nur mit einem Koffer an, ohne Geld, "und versuchen, wieder anzufangen", so George Spiliotis, Chef der Melbourner griechischen Wohlfahrtsgesellschaft. Trotzdem haben Rückkehrer einen klaren Vorteil gegenüber Neuzuwanderern: Sie können in der Regel auf bestehende Beziehungen zurückgreifen – Familie, Verwandte, Bekannte. Das erleichtert nicht nur die soziale Eingliederung, es hilft vor allem bei der Arbeitssuche.

Wesentlich schwieriger wird es für jüngere Leute, die – deprimiert von den Zukunftsaussichten in der Heimat – auf das Glück in der Ferne hoffen. "Viele meiner Freunde und Verwandten in Griechenland denken darüber nach, nach Australien zu kommen, um zu arbeiten", so Phillip Stamatellis, ein Geschäftsmann aus einer Kleinstadt südlich von Sydney, zum STANDARD. "Aber sie realisieren rasch, dass sie sich einer Illusion hingeben: Die hohen Reisekosten und der Mangel an Sprachkenntnissen stehen im Weg."

Die Kriterien für die Einwanderung sind strikt. Es sind nicht nur schlechte Englischkenntnisse, die Hoffnungsvolle scheitern lassen. Neben bestimmten Einreisevoraussetzungen verlangt die Regierung auch beste Gesundheit und ein einwandfreies Führungszeugnis. Für praktisch jede Art von Visum gilt ein striktes Alterslimit, in der Regel 45 Jahre. Ausnahmen gibt es nicht.

Hilfreich hingegen ist, wenn ein Interessierter einen Beruf hat, der in Australien gesucht ist. Als Handwerker hat man die besten Chancen, als Akademiker in der Regel weniger. Das Land führt eine Liste, die regelmäßig aktualisiert wird. Ideal ist, wenn man von einem Arbeitgeber gesponsert wird, dann sind die Aussichten auf ein Visum am größten. Auch familiäre Bindungen sind hilfreich – Verwandte, die für Zuwanderer bürgen können. Das stellt Australien-Griechen gelegentlich vor Probleme. Sie müssen sich entscheiden, welche Verwandten sie als Einwanderer sponsern wollen. Dies ist nicht immer einfach in den meist sehr großen griechischen Familien. (Urs Wälterlin aus Melbourne, 7.7.2015)

  • Schätzungsweise 600.000 bis 700.000 Australier haben griechisches Blut und leben teilweise seit vielen Generationen in dem Land.
    foto: ap / mick tsikas

    Schätzungsweise 600.000 bis 700.000 Australier haben griechisches Blut und leben teilweise seit vielen Generationen in dem Land.

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