Pekings Sorgen im Schatten der Griechen-Krise

7. Juli 2015, 22:01
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Beijing ist in Sorge, zum großen Verlierer der jüngsten Griechenland-Ereignisse zu werden: China ist mit Milliarden finanziell und strategisch in dem Land investiert

Das Nein-Referendum von Griechenland, die neue Unsicherheit um den Euro und die EU-Wirtschaft werfen ihre Schatten bis nach Beijing. Dort blieben die Behörden am Montag stundenlang sprachlos, als es darum ging, die Folgen für China zu kommentieren, das sich mit Handel und Milliardeninvestitionen finanziell und strategisch in Griechenland engagiert hat.

Chinas Entscheider wirkten überrascht und ratlos. Das Handelsministerium ließ Montagmorgen eine geplante Pressekonferenz kurzerhand absagen. Minuten vor Beginn wurde diese um einen Tag verschoben. Die Sprecherin des Außenministeriums Hua Chunying wiederholte frühere Äußerungen: "Wir hoffen, dass Griechenland in der Eurozone bleiben kann." China wolle dafür weiterhin eine konstruktive Rolle spielen.

Sorge um Euro

Beijing sorgt sich nicht nur um Athen, sondern auch um die Stabilität des Euro, zumal Europa sein weltweit größter Wirtschaftspartner ist. Die neuen griechischen Unsicherheiten verschärfen das einheimische Börsenchaos. Beijing zieht daher die Notbremse: Staatsrat und Partei waren schon am Wochenende in Beijing noch vor der Athen-Abstimmung zu Krisensitzungen über das eigene hausgemachte Chaos seiner verheerenden Börsenabstürze zusammengekommen. Die innerchinesischen Aktienmärkte in Schanghai und Shenzhen waren in nur drei Wochen seit dem 12. Juni um fast 30 Prozent abgestürzt und hatten umgerechnet rund 3,1 Billionen Euro an Wert eingebüßt. Ein Viertel der massenhaft zum Spekulieren verleiteten Kleinaktionäre machte in den vergangenen Wochen Verluste um die 50 Prozent.

Wie volatil die Börsen sind, zeigte eine amtliche Aufstellung: Die A-Aktienmärkte stiegen vor ihrem Fall von Juni 2014 bis 12. Juni 2015 um 150 Prozent. Selbst die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua schrieb zum jüngsten Einbruch, dass sich viele Analysten an den Dotcom-Crash der USA von 2000 erinnert fühlten.

Wieder Propaganda

Wie besorgt Chinas Führung ist, zeigte sie, indem sie wieder zu einer seit Jahren nicht mehr verwendeten Propagandamethode staatlicher Lenkung und Planung der Wirtschaft durch politische Aufrufe griff. Das Parteiorgan Volkszeitung druckte am Montag einen Kommentar unter der Überschrift: "China verfügt über die Zuversicht, Bedingungen und Fähigkeiten, um die Stabilität der Kapitalmärkte bewahren zu können." Die Botschaft der Partei lautete: "Habt Vertrauen." Sie zeigt, dass Peking mit allen Mitteln um die Kontrolle der Wirtschaftsentwicklung ringt.

Am Wochenende hatte der chinesische Staatsrat in einer Sondersitzung alle Register gezogen, um den Absturz der Aktienmärkte zu verlangsamen. Der Trommelwirbel an Interventionen durch Regierung, Zentralbank und Finanzaufsicht trieb prompt die chinesischen Aktienindizes am Montag erst einmal nach oben. Das hatte das Volk auch nicht anders erwartet.

Berg-und-Tal-Fahrt an der Börse

Die Massen behielten recht: Der Schanghaier Leitindex, der am Freitag um 5,8 Prozent nachgab, legte nach der Eröffnung der Börse um 7,82 Prozent zu, später ging es wieder abwärts. Am Ende schloss Schanghai mit plus 2,4 Prozent, während die beiden ebenfalls fulminant gestarteten Indizes in Shenzhen bei minus 1,4 Prozent und der Shenzhen-Zukunftsfirmenindex ChiNext sogar mit minus 4,3 Prozent schlossen.

Chinas beispiellose Eingriffe verpufften fast wie Strohfeuer: Peking stoppte neue Aktienemissionen, verbilligte Transaktionskosten, reduzierte den Spekulationshandel mithilfe von Hebelprodukten ("Margin Lending"), will Marktmanipulation und Insiderhandel bekämpfen und verpflichtete die großen Brokerhäuser und Fondsgesellschaften, ihre Papiere zu behalten oder gar neue zu kaufen.

Zugleich aber büßte China an Glaubwürdigkeit ein, einen bereits reifen Markt entwickelt zu haben und seine Währung in Kürze internationalisieren zu können. Die doppelte Krise, mit seinen Börsen wie auch mit dem Fallout von Griechenland marktwirtschaftlich fertigzuwerden, stellt Chinas Wirtschaftsentwicklung auf den Prüfstand. (Johnny Erling aus Peking, 7.7.2015)

  • Die Unsicherheiten in Griechenland haben das Börsenchaos in China zu Wochenbeginn verschärft.
    foto: chinatopix via ap

    Die Unsicherheiten in Griechenland haben das Börsenchaos in China zu Wochenbeginn verschärft.

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