Fünf ungewöhnliche Methoden für mehr Führungsstärke

13. Juli 2015, 10:34
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"Lassen Sie Ihre Mitarbeiter ein Haus zeichnen": Ein neues Buch verrät Strategien für mehr Durchsetzungskraft und bessere Menschenkenntnis

Viele Chefs und Chefinnen bangen um ihr Standing im Unternehmen. Ihnen helfen, vom verhassten "Ungustl" zum beliebten Strategen zu avancieren, will Managementtrainer und Hypnotiseur Winfried Schröter mit seinem neuen Buch "Führ mich Chef". Von Kleidungsstil ist dort ebenso die Rede wie von Bildanalyse und Facereading. Ungewöhnlich diese Methoden, aber äußerst effizient – angeblich.

1. Spielen Sie das Vorbild

Vorbild möchte jeder sein, denn Vorbilder werden geliebt und bewundert. Bei Schröter wird aus dem Vorbilder-Konzept eine Management-Strategie: "Treffen Sie die bewusste Entscheidung dazu, ab nun ein Vorbild sein zu wollen", schreibt er. "Anschließend prüfen Sie, in welchen Situationen Ihnen das nicht gelingt – und suchen sich selbst ein Vorbild, von dem Sie für diese Situation lernen können. "Sie machen es ihm automatisch und unbewusst nach."

Wichtig sei, regelmäßig zu prüfen, ob sich Ihr Verhalten bereits verbessert hat. "Erinnern Sie sich mit einer Notiz daran." Anschließend gelte es, sein neues Selbstbild dauerhaft aufrecht zu erhalten. So, prophezeit Schröter, würde sich innerhalb kürzester Zeit nicht nur Ihr Verhalten, sondern auch das Ihrer Mitarbeiter ändern.

2. Überzeugen Sie mit dunklen Farben

"Es gibt Führungskräfte, die sich ihren Mitarbeitern gegenüber immer gleich verhalten. Entweder sie sind Choleriker, Rationalisten, Langweiler oder total Verständnisvolle", konstatiert Schröter und rät: "Bauen Sie Ihre eigenen Kommunikationssignale aus." Denn: "Ihre Mitarbeiter sind ebenfalls unterschiedliche Typen und deshalb müssen Sie ihnen unterschiedlich entgegentreten."
Als Methode empfiehlt er, den eigenen "Status" zu variieren: Seien Sie also einmal dominant, einmal neutral und sachlich und ein anderes Mal passiv. "Nutzen Sie das Potential jeder Verhaltensweise."

Und gelingt so eine Statusänderung? "Verkleinern Sie Ihre Augen – das wirkt konzentriert und fokussiert. Angespannte Stirnmuskeln strahlen Dominanz aus. Auch mit dem Mund können Sie eine Vielzahl von Regungen ausdrücken, von Freude bis Aggressivität. Nutzen Sie die Spannweite Ihrer Arme, um überzeugungsstark zu wirken."

Schröters Spezialtipp: "Tragen Sie dunkle Farben." Auch Einfarbiges würde einen höheren Status symbolisieren, ebenso eine tiefe Stimme und eine geringe körperliche Distanz.
"Beachten Sie das alles, werden Ihnen öfter die Statusverhalten Ihrer Mitarbeiter auffallen und Sie können ab sofort anders reagieren."

3. Üben Sie sich in Gesichtserkennung

Schröter benennt vier Typen von Mitarbeitern: Die "Anführer", die "Teamplayer", die "Kreativen" und die "Rationalen". Welcher Mitarbeiter am ehesten welchem Typ entspricht, würden Sie anhand seiner Gesichtszüge ausmachen können.

Anführer hätten beispielsweise ein kantiges Gesicht, einen hohen Haaransatz, kleine Augen und einen großen Mund mit schmalen Lippen. Kreative große Augen, einen weiten Augenabstand und tief sitzende Augenbrauen. Rationale würden durch eng anliegende Augen, leicht angewachsene Ohrläppchen und ein spitzes Kinn auffallen. Teamplayer erkenne man an hängenden Ohrläppchen und vollen fleischigen Lippen.

Die vier Typen sollten Sie jedenfalls benennen können – und ihnen Ihr Führungsverhalten anpassen, rät Schröter. Und wie lässt sich Facereading üben? "Nehmen Sie sich zunächst einen Spiegel oder ein Foto von sich und analysieren Sie sich selbst", schreibt Schröter. "Im Anschluss beobachten Sie Ihre Mitmenschen."

4. Lassen Sie Ihre Mitarbeiter ein Haus zeichnen

Bitten Sie Ihre Mitarbeiter, etwas zu zeichnen, könnte Ihnen das wichtige Einblicke in ihr Innerstes eröffnen: Schröter empfiehlt das Instrument der Bildanalyse für einen "guten Einzelgesprächseinstieg" oder Jobinterviews.

Als Motiv biete sich das Haus an: Zeichnet Ihr Mitarbeiter Fenster und Türen ein, sei er offen für Neues – ein Dachfenster deute auf Kreativität hin. Ein Nadelbaum im Garten signalisiere Konfliktstärke, ein Baumstumpf einen nichtverarbeiteten Verlust. Zäune seien Symbole für den jeweiligen Umgang mit Abgrenzung.

Im Anschluss an den kreativen Prozess empfiehlt Schröter ein gemeinsames Analysegespräch – das sorgfältig vorbereitet werden müsse, denn "diese Situation ist für den Betroffenen oft völlig überraschend." Als Hilfestellungen nennt er Formulierungen, denen sich der Chef im Gespräch bedienen kann. Ein Beispiel: "Jetzt sehe ich etwas, das zwei Bedeutungen haben kann. Entweder gibt es bei Ihnen ein grundsätzliches Kommunikationsproblem, oder Sie unterhalten sich leidenschaftlich gerne mit Menschen. Was ist es bei Ihnen?"

5. Manipulieren Sie

Mit einigen wenigen, simplen Strategien können Sie erreichen, dass Ihre Mitarbeiter das umsetzen, was Sie sich von ihnen wünschen, schreibt Schröter. Als erste nützliche Methode stellt er das "Framing" vor: "Setzen Sie einen Bezugsrahmen. Zum Beispiel bei einer Terminvereinbarung. Wollen Sie die Kontrolle behalten, schlagen Sie zwei Termine vor und nennen Sie Ihren Favoriten zum Schluss: 'Herr Betriebsratsvorsitzender, wäre Ihnen Mittwoch um 15 Uhr recht oder lieber Dienstag um elf?' Sie werden sehen, es klappt."

Auch auf Reziprozität zu setzen, sei eine wirksame Strategie, um seine Mitarbeiter für sich zu gewinnen und zu motivieren. "Sie brauchen dafür kein Geld in die Hand zu nehmen. Es reicht schon aus, wenn Sie beim Kaffeeholen auf den Knopf drücken und Ihre Sekretärin fragen, ob Sie auch einen möchte."

Solidarität herzustellen, "Wir"-Formulierungen zu verwenden, könne die Arbeit im Team ebenfalls einfacher machen. ebenso wie Lob (der gute Rat: bleiben Sie dabei aber ehrlich!). Auch Erklärungen seien wirksame Mittel, um Entscheidungen abzusichern und Mitarbeiter in Projekten an der Stange zu halten. "Das System ist klar und einfach: 'Weil Sie..., werden Sie...'". In Meetings würde das beispielsweise so klingen: "Weil wir jetzt die Kundenmaßnahme so gut besprochen haben, werden wir viele positive Rückmeldungen bekommen." (lib)

Winfried Schröter: "Führ mich Chef: Ungewöhnliche Methoden für mehr Führungsstärke und bessere Menschenkenntnis", Goldegg Verlag, 2015

  • Wie sieht das Haus aus? Welche Merkmale stechen heraus? Sind Fenster, ein Schornstein, vorhanden? Zeichnungen könnten Ihnen wertvolle Hinweise auf das Innenleben Ihrer Mitarbeiter geben, schreibt Winfried Schröter.
    foto: privat

    Wie sieht das Haus aus? Welche Merkmale stechen heraus? Sind Fenster, ein Schornstein, vorhanden? Zeichnungen könnten Ihnen wertvolle Hinweise auf das Innenleben Ihrer Mitarbeiter geben, schreibt Winfried Schröter.

  • Auch Facereading könne zum besseren Verstehen beitragen: "Es ist das Erkennen von Ursinstinkten der Menschen", schreibt Schröder.
    foto: ap/alessandra tarantino

    Auch Facereading könne zum besseren Verstehen beitragen: "Es ist das Erkennen von Ursinstinkten der Menschen", schreibt Schröder.

  • In "Führ mich Chef" werden Bildanalyse und Facereading als Methoden zur Mitarbeiterführung vorgestellt.

    In "Führ mich Chef" werden Bildanalyse und Facereading als Methoden zur Mitarbeiterführung vorgestellt.

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