Nackte Touristen-Selfies: Gefährlicher Trend wird immer beliebter

6. Juli 2015, 10:20
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Normale Selfies sind längst nicht mehr spektakulär genug, doch Nacktfotos bringen Touristen mit Gesetz in Konflikt

Wer das kambodschanische Weltkulturerbe Angkor Wat betritt, dürfte sich über kuriose Hinweistafeln wundern: Es sei streng verboten, sich für ein Foto seiner Kleider zu entledigen, informieren die Verantwortlichen in drastischen Worten. Was für die meisten Menschen wohl wie eine dadaeske Intervention aussieht, hat tatsächlich einen ernsthaften Hintergrund. Immer mehr Touristen wollen mit "Nackt-Selfies" im Netz für Furore sorgen und erregen dabei den Ärger lokaler Behörden.

Nackt in fünf Sekunden

Einer der Vorreiter der Bewegung ist der Israeli Amichay Rab, der rund ein Jahr durch Südamerika gereist ist. Auf seinem Blog gibt er an, die enorme Hitze habe ihn auf die Idee gebracht. Mittlerweile habe er seine Technik perfektioniert und könne binnen fünf Sekunden komplett nackt sein, wenn die Situation dies verlange. Seine Nackttour umfasste Argentinien, Bolivien, Chile, Costa Rica, Ecuador, Nicaragua, Peru und Uruguay. Während Rab mittlerweile als Entkleidungsprofi die Situationen richtig einschätzen kann, gehen viele reguläre Touristen große Risiken für ihr Nackt-Selfie ein.

Mehrere Festnahmen

Zurück zur Tempelanlage Angkor Wat: Die Verbotsschilder wurden installiert, nachdem zwei US-amerikanische Touristen wegen Nacktheit verhaftet worden waren. Dasselbe Schicksal hatte zuvor drei junge Franzosen ereilt. Neben Bußgeldern in dreistelliger Dollar-Höhe wurden die Übeltäter laut "Huffington Post" von den kambodschanischen Behörden auch mit Einreiseverboten belegt. Noch härter reagierte Malaysia: Vier Touristen wurden festgenommen, weil sie auf dem heiligen Berg Kinabalu nackt posiert hatten. Die Stimmung der Einwohner war besonders aufgehetzt, weil kurz nach den Fotos ein schweres Erdbeben die Region erschüttert hatte. Religiöse Eiferer stellten einen Zusammenhang her und forderten harte Strafen für die Touristen.

Schwierigkeitsgrade

Der Blog "Naked at Monuments" hat mittlerweile eine Liste mit Schwierigkeitsgraden für Nackt-Selfies publiziert. Laut "Daily Mail" ist es an der Chinesischen Mauer besonders einfach, die Hüllen fallen zu lassen. Mit zwei von fünf Sternen wird das Kolosseum in Rom beurteilt, weil "Italiener ohnehin gern nackt sind". Wer die Facebook-Seite des Blogs begutachtet, wird aber feststellen, dass vor allem spektakuläre Naturlandschaften ein beliebter Ort für Nackt-Selfies sind. Kein Wunder, ist hier die Gefahr einer Entdeckung relativ gering.

Facebook lässt Seite gewähren

Einen wichtigen Konflikt haben die Nacktfotografen jedenfalls schon gewonnen: Facebook wollte die Seite eigentlich wegen eines Verstoßes gegen die Nutzungsbedingungen sperren. Doch nach einigen Medienberichten konnte das soziale Netzwerk umgestimmt werden. (fsc, 6.7.2015)

  • Der Grand Canyon ist noch ein relativ sicherer Ort für ein Nackt-Selfie – in Asien und Lateinamerika drohen allerdings schwerwiegende Konsequenzen.
    foto: screenshot/naked at monuments

    Der Grand Canyon ist noch ein relativ sicherer Ort für ein Nackt-Selfie – in Asien und Lateinamerika drohen allerdings schwerwiegende Konsequenzen.

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