Studie: ATX-Aufsichtsratschefs verdienen zu wenig

6. Juli 2015, 11:16
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Das Gehalt der österreichischen Aufsichtsratsvorsitzenden ist seit 2012 um 6,4 Prozent gesunken. Im Schnitt bekommen sie nur ein Drittel ihrer deutschen Kollegen

Im Vergleich zum Jahr 2013 sind die durchschnittlichen Vergütungen der ganzjährig tätigen Aufsichtsratsvorsitzenden der ATX-Unternehmen um 6,4 Prozent auf 60.155 Euro pro Jahr gesunken. Gegenüber 2012 beträgt der Rückgang sogar 7,2 Prozent, wie eine Untersuchung der deutschen Unternehmensberatung hkp Group zeigt.

Gleichzeitig sind die Bezüge der Vorstandsvorsitzenden im ATX nur um 0,9 Prozent gesunken, obwohl die Nettogewinne der Unternehmen um 44,3 Prozent eingebrochen sind. Im Durchschnitt verdienen die Vorstandschefs 26-mal so viel wie die Aufsichtsratsvorsitzenden. Das sei "im Sinne eines Agierens auf Augenhöhe mit dem Vorstand sogar kontraproduktiv", meint Michael Kramarsch von der hkp Group. Zudem werde es dadurch schwierig, international attraktive Kandidaten für die Tätigkeit zu gewinnen.

Unterschiede enorm

Der in Österreich bestverdienende Aufsichtsratschef, Friedrich Rödler von der Erste Group, bekam mit 146.000 Euro weniger als ein durchschnittlicher MDAX-Aufsichtsratschef, wobei ATX und MDAX hinsichtlich der Größe der darin abgebildeten Unternehmen etwa vergleichbar sind. Im MDAX liegt die durchschnittliche Vergütung eines AR-Vorsitzenden bei 196.283 Euro, im DAX sogar bei 390.000 Euro.

Auch innerhalb Österreichs sind die Unterschiede enorm: Ewald Kirschner (Flughafen Wien) erhielt für seine Tätigkeit nur ein Zehntel (14.648) der Vergütung Rödlers.

Einige der AR-Vorsitzenden haben mehrere Mandate in ATX-Unternehmen. Wolfgang Ruttenstorfer war 2014 in fünf ATX-Aufsichtsräten (darunter CA Immo, Vienna Insurance) und erhielt dafür 138.300 Euro. Rudolf Kemler saß als ÖIAG-Chef in den Aufsichtsräten von OMV, Telekom Austria und Post und erhielt dafür 140.300 Euro. Je zwei Aufsichtsratsjobs in ATX-Unternehmen hatten Walter Rothensteiner (Uniqa, RBI; 142.000 Euro), Norbert Zimmermann (46.931 Euro) und Vitus Eckert (35.035 Euro).

Gehalt reicht nicht aus

"Früher war es durchaus üblich, dass Vorstände schon während aktiver Vorstandstätigkeit Aufsichtsratsmandate gesammelt haben", sagte Kramarsch. "Das ist in der Zwischenzeit, glaube ich, vom Tisch." Wenn sich aber jemand "im fortgeschrittenen Alter nach einer erfolgreichen Berufstätigkeit" entscheide, Vollzeit als Aufsichtsrat tätig zu sein, dann seien auch drei Vorsitzendenmandate nicht zu viel. Üblich seien international maximal fünf Aufsichtsratsmandate, davon aber maximal zwei Vorsitze. "Denn die Arbeitsbelastung ist exponentiell anders als Aufsichtsratschef als für ein normales Aufsichtsratsmitglied", erklärte Kramarsch. In Österreich verdient ein AR-Vorsitzender ungefähr das Doppelte der Vergütung eines einfachen AR-Mitglieds. Das sei nicht genug, meint Kramarsch. In Deutschland bekomme der AR-Vorsitzende etwa dreieinhalbmal so viel wie ein normales Mitglied. "Das halte ich für absolut passend, was die Arbeitsbelastung betrifft."

Im internationalen Vergleich mit Unternehmen aus STOXX und DAX schafft es kein ATX-Aufsichtsratsvorsitzender unter die Top 100. Spitzenverdiener ist hier Nestle-Verwaltungsratspräsident Peter Brabeck-Letmathe mit mehr als 5,9 Millionen Euro Jahresgage. Im DAX bekommt VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech als Bestverdiener 1,475 Millionen Euro und schafft damit Rang sieben. (APA/red)

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