"Liebesg'schichten und Heiratssachen": Auf der Suche nach sich selbst

Ansichtssache6. Juli 2015, 07:00
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Elisabeth T. Spiras Partnervermittlung startet in die 19. Saison. Grund genug, am Montag um 20.15 Uhr auf ORF 2 Rückschau zu halten und ehemalige Kandidaten zu besuchen. Vieles hat sich geändert im Leben der Heiratswilligen – durch bis zu 500 Zuschriften mussten sie sich wühlen. Mal wurde nach Gefühl entschieden, mal nach kategorischem Ausschlussverfahren – gekommen ist es immer anders als gedacht.

foto: orf/wega film/robert neumüller

Hilde war früher Arnold. Ihre Ehefrau wollte weiterhin ihren Arnold und verließ Hilde. Durch die Sendung fand sie Erika, die zuvor vielleicht Erich war. Leider war dieser Liaison keine lange Dauer beschert. Aber schließlich und endlich fand Hilde Robert. Eine Überraschung, vor allem für Hilde – hatte sie doch immer eine Abneigung gegen Männer.

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foto: orf/wega film/robert neumüller

Erfolge kann das Format en masse verbuchen – es ist wirklich für jeglichen wie auch immer gearteten Topf ein Deckel da draußen. Die Geschichten sind herzerwärmend – man ertappt sich selbst beim mitfiebern: "Hoffentlich findest du wen netten, lieben." Ein etwas schales Gefühl bleibt jedoch: So vorsichtig die Inszenierungen auch sein mögen, so sehr befindet man sich in der Rolle des Voyeurs.

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foto: orf/wega film/robert neumüller

Es ist eine gefährliche Gratwanderung, sich für das Schicksal der Kandidaten zu interessieren oder sich darüber zu definieren – als Ausrede für die persönlichen Unzulänglichkeiten, da dort im TV ja Charaktere geboten werden, die zumindest etwas schräger sind als man selbst.

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foto: orf/wega film/sepp neuper

Der Unterschied zwischen den bekannten RTL-2-Sendungen und den Liebesg' schichten liegt im Detail: Im Gegensatz zum neuen Trash-TV zielt Spira nicht allein auf die Erniedrigung der Protagonisten ab – die Gratwanderung bleibt dem Publikum überlassen. (Andreas Haberl, 6.7.2015)

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