Touristen stimmen trotz Unsicherheit für Griechenland

6. Juli 2015, 14:22
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Rekordsummen trotz Grexit-Gefahr in Reichweite

Wien – Dem Tourismus kann die Zickzackfahrt der Regierung am Rande der Pleite offenbar nichts anhaben. Auch wenn zuletzt Einbrüche bei Last-minute-Angeboten kolportiert wurden: Das Land steuert diesen Sommer auf einen neuen Rekord bei der Bewirtung von Gästen zu. Darauf deutete bereits eine Auswertung der bei Reiseveranstaltern bis März eingegangenen Buchungen hin. Dieser Trend habe sich bis Ende Juni verfestigt. "Es gibt ein deutliches Plus bei Griechenland", sagte der Präsident des Österreichischen Reisebüroverbands (ÖRV), Josef Peterleithner, dem STANDARD.

Ähnliches ist aus Deutschland zu hören, dem wichtigsten Quellmarkt für den Griechenland-Tourismus. 2014 machten insgesamt 2,5 Millionen Deutsche Urlaub auf einer der zahlreichen griechischen Inseln, so viele wie noch nie. Das war Balsam für die Griechen und ein Zeichen, dass es wieder aufwärtsgeht, nachdem der Sommer 2012 aus touristischer Sicht abzuhaken war. Streiks und Demonstrationen ließen viele Touristen damals nach Spanien und in die Türkei ausweichen.

"Das wirkt positiv nach"

Jene Urlauber, die sich von der Berichterstattung über die Krise nicht abschrecken ließen, waren großteils positiv überrascht. Peterleithner: "Die Gäste haben die Erfahrung gemacht, dass die Geschäfte offen sind, von Streiks und Demonstrationen auf den Inseln nichts zu hören und nichts zu sehen ist und dass sich die Gastgeber noch mehr um sie bemühten. Das haben sie weitererzählt, und das wirkt positiv nach."

Für Griechenland ist der Tourismus die tragende Säule der Wirtschaft. Fast jeder fünfte Euro wird im Urlaubs- und Freizeitsektor verdient. 2014 beliefen sich die Einnahmen Griechenlands aus dem Tourismus auf 13,4 Milliarden Euro – bei insgesamt 98 Millionen Nächtigungen. Zum Vergleich: In Österreich wurden im Vorjahr insgesamt 110 Millionen Nächtigungen gezählt, Sommer und Winter zusammen. In Griechenland beschränkt sich das Aufkommen im Wesentlichen auf die Sommermonate.

350.000 Österreicher reisten im Vorjahr nach Griechenland, das sich damit als die beliebteste Flugreisedestination behaupten konnte. Nur Italien und Kroatien sind als Urlaubsland noch beliebter. Dorthin fahren aber die allermeisten mit dem eigenen Auto.

Das Außenministerium rät allen Griechenland-Reisenden, sich mit ausreichend Bargeld einzudecken, am besten in alltagsüblicher Stückelung – für den Fall, dass Bargeld an den Geldscheinautomaten knapp werden sollte. Wer eine Pauschalreise gebucht habe, sei auf der sicheren Seite, sagte Peterleithner, der nicht nur ÖRV-Präsident ist, sondern auch für den Reisekonzern Tui arbeitet. Gerade in Griechenland ist der Anteil der Pauschaltouristen besonders hoch.

So ganz spurlos geht die Krise am Tourismus dennoch nicht vorbei. Bei einem Treffen der Kreuzfahrtbranche vor wenigen Tagen in Athen bemängelten die großen Reedereien, Griechenland verpasse wegen fehlender Investitionen die sprunghafte Entwicklung des Kreuzfahrtmarkts. Michel Nestour, Vizepräsident der weltgrößten Reederei Carnival, monierte unter anderem den schlechten Ausbau der Häfen. (Günther Strobl, 6.7.2015)

  • Griechenlands Tourismus ist nicht unterzukriegen.
    foto: ap / petr david josek

    Griechenlands Tourismus ist nicht unterzukriegen.

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