Dutzende Tote bei Selbstmordanschlägen in Nigeria

5. Juli 2015, 11:38
4 Postings

Präsident schließt Verhandlungen mit Boko Haram nicht mehr aus

Lagos – Bei mehreren Selbstmordanschlägen im Nordosten Nigerias sind nach Angaben von Armee und Augenzeugen Dutzende Menschen getötet worden. Sechs Selbstmordattentäter hätten ihre Sprengsätze im Ort Zabarmari gezündet, teilte die Armee am Samstag mit. Unterdessen schloss ein Sprecher des nigerianischen Präsidenten Muhammadu Buhari Verhandlungen mit der islamistischen Gruppe Boko Haram nicht aus.

Einem Dorfbewohner zufolge drangen am Freitag zunächst zahlreiche Kämpfer nach Zabarmari ein und überwältigten die Regierungstruppen, die dort stationiert waren, um ein Eindringen von Aufständischen in die nahegelegene Stadt Maiduguri zu verhindern. Die Soldaten hätten sich dann zurückgezogen. Als die Bewohner zu fliehen begannen, hätten sich mehrere weibliche Selbstmordattentäter inmitten der Menschenmassen in die Luft gesprengt, es habe viele Tote gegeben.

Offenbar auch Kinder unter Opfern

Ein Anführer der Bürgerwehr sprach von mindestens 55 Toten und mehr als 100 Verletzen. "Die Zahl der Opfer in Zabarmari könnte noch weit höher sein, weil viele Menschen so schwer verletzt sind, das sie wahrscheinlich nicht überleben", sagte der Anführer, der anonym bleiben wollte. Zudem seien viele Menschen von den Bomben in Stücke gerissen worden, weshalb es sehr schwer sei, die Leichen zu zählen. Unter den Toten sollen auch Kinder sein.

"Insgesamt sechs Selbstmordattentäter sprengten sich in die Luft, zahlreiche Menschen wurden getötet und einige verletzt", teilte indes die Armee mit. Angaben zum Geschlecht der Selbstmordattentäter machte die Armee nicht. Unter den Toten war demnach auch ein Soldat. Die Armee entdeckte zudem ein mit Sprengstoff beladenes Fahrzeug, überdies wurde nach weiteren möglichen Sprengsätzen gesucht. Es wird vermutet, dass die Attentäter der Boko Haram angehören.

"Halbes Dorf" niedergebrannt

Einem Augenzeuge zufolge plünderten die Aufständischen Geschäfte und brannten "fast das halbe Dorf" nieder. Sie seien schließlich durch Verstärkung von Armee-Einheiten zurückgedrängt worden. Zabarmari liegt zehn Kilometer von Maiduguri, der Hauptstadt des Bundesstaats Borneo, entfernt. Maiduguri gilt als Geburtsstätte von Boko Haram.

In den vergangenen drei Tagen starben bei Anschlägen der Boko Haram in Nigeria mehr als 200 Menschen. Das nigerianische Militär wird im Kampf gegen die Islamisten von Truppen aus den Nachbarländern Kamerun, Niger und Tschad unterstützt. Die Einsatzstärke soll zusammen mit Kontingenten aus Benin Ende Juli auf 8.700 Mann steigen.

Boko Haram kämpft seit Jahren mit Gewalt für die Errichtung eines islamischen Gottesstaats im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias. Seit dem Jahr 2009 tötete die Gruppe nach Angaben der Vereinten Nationen mehr als 15.000 Menschen.

Verhandlungen nicht ausgeschlossen

Nigerias neuer Präsident Buhari schloss indes Verhandlungen mit Boko Haram nach Angaben eines Sprechers nicht aus. "Wenn Boko Haram sich für Verhandlungen entscheidet, wird die Regierung nicht abgeneigt sein", sagte Sprecher Femi Adesina am Samstag. Die Regierung werde jedoch "nicht aus einer Position der Schwäche heraus verhandeln, sondern der Stärke". Buhari sei "fest entschlossen". Er habe bereits in der Vergangenheit Aufstände bekämpft und gewonnen, sagte Adesina. (APA, 5.7.2015)

Share if you care.