Ökonomen uneins über "Grexit"-Folgen

5. Juli 2015, 10:49
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ZEW-Chef Fuest: Griechenland wäre außerhalb der Eurozone besser aufgehoben – DIW-Präsident Fratzscher: Euro-Ausstieg ist schlechteste Option

Athen – Kurz vor der Abstimmung der Griechen über den Reformkurs des Landes spielen Wirtschaftswissenschafter die Folgen eines Ausstiegs Griechenlands aus dem Euro durch. So sieht Clemens Fuest, Präsident des Mannheimer Zentrums für europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), durchaus Gründe für einen sogenannten Grexit.

"Mit der aktuellen Regierung und den bestehenden institutionellen Defiziten ist Griechenland außerhalb der Eurozone besser aufgehoben. Wenn Institutionen und Politik sich ändern, kann das Land zurückkehren", sagte er der "Welt am Sonntag" ("WamS") laut Vorabbericht. Für einen Ausstieg spricht sich in der Zeitung Kai Konrad, Direktor am Max-Planck-Institut für Steuerrecht und Öffentliche Finanzen, aus: "Die griechische Wirtschaft würde sich viel besser entwickeln können, wenn das Land nicht im Euroraum ist."

Andere Experten warnen dagegen vor einem Grexit. Der US-Währungsexperte Barry Eichengreen von der Universität Berkeley rechnet dann mit einer noch stärker schrumpfenden Wirtschaft sowie Inflation. "Das Chaos würde noch für sehr lange Zeit, vermutlich über Jahre, bestehen." Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), sieht den Ausstieg als keine gute Lösung an. Auch für Deutschland und Europa sei dies die schlechtestmögliche Option, da in diesem Fall noch weniger Kredite zurückgezahlt und damit noch höhere Kosten auf die deutschen Steuerzahler zukommen würden, sagte er der "WamS". (APA/Reuters, 5.7.2015)

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