Ein Seekirchner hilft den Griechen vor Ort

5. Juli 2015, 09:25
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Erwin Schrümpf ist entsetzt über die Folgen der Bankenschließungen. Spitäler werden nicht mehr beliefert

Er kann parken, wo er will. Wie jetzt, mitten auf der Einkaufsstraße Ermou, einer Fußgängerzone in der Athener Innenstadt, gleich beim Syntagma-Platz. Oder einmal sogar direkt vor dem griechischen Parlament. Auch kein Problem offenbar. Einen Strafzettel gibt ihm die Polizei nie, denn auf dem Transporter von Erwin Schrümpf mit dem Salzburg-Land-Kennzeichen steht: "Österreich hilft Griechenland". Das wird in diesen Tagen, wo sich die Griechen wie das schwarze Schaf in Europa fühlen, mit noch mehr Dankbarkeit aufgenommen.

Schrümpf, der Helfer, der rastlose Verteiler von Medikamenten und Lebensmitteln, ist entsetzt von dieser Woche der Bankenschließung und der Geldknappheit. "Jedes Mal, wenn ich runterfahre, ist es schlimmer", sagt er, "und jetzt verhungern uns die Kinder und die Alten". In einem Behindertenheim in Patras, wo mehr als 60 Kinder untergebracht sind, waren Kühlschränke und Lager leer, erzählt Schrümpf. "Dann haben wir eben schnell Babyöl, Windeln und Spaghetti eingekauft."

Nur noch gegen Vorkasse

Wir sehr sich aber nun die Einführung der Kapitalkontrollen auf die Griechen auswirken, haben der Seekirchner und seine Helfer im Elpis-Spital in Athen gesehen: Der Direktor zeigte ihnen die Schreiben vom Milch- und Fleischlieferanten des Spitals, datiert vom Donnerstag dieser Woche. Vom kommenden Montag, 6. Juli, an, so war in beiden Faxschreiben zu lesen, könnten die Unternehmen nicht mehr importieren und daher auch nichts mehr ans Spital zur Verpflegung der Patienten liefern. Denn die Anbieter im Ausland arbeiten mit den Griechen – erst recht seit den Bankenschließungen – nur noch gegen Vorkasse. Das aber ist schon technisch schwierig, weil Überweisungen ins Ausland nun erst von einem Bankrat genehmigt werden müssen.

Warum Griechenland, das Joghurt- und Souvlaki-Land, überhaupt Milch und Fleisch importieren muss? Noch so eine Besonderheit der griechischen Wirtschaft: Das Land produziert wenig selbst; auch bei Grundnahrungsmitteln ist die Nachfrage größer als das heimische Angebot. Erwin Schrümpf hat auch für das Elpis-Spital erst einmal schnell eingekauft. Spätestens nächsten Monat ist er mit neuen Spenden wieder in Griechenland. (Markus Bernath und Christian Fischer aus Athen, 5.7.2015)

  • Erwin Schrümpf bekommt derzeit in Griechenland keine Strafzettel.
    christian fischer

    Erwin Schrümpf bekommt derzeit in Griechenland keine Strafzettel.

  • Im nächsten Monat wird er wieder nach Griechenland kommen – mit neuen Spenden.
    christian fischer

    Im nächsten Monat wird er wieder nach Griechenland kommen – mit neuen Spenden.

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