Varoufakis: Schäuble wollte schon 2012 Grexit

4. Juli 2015, 16:37
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Deutscher Außenminister Steinmeier warnt vor Ansehensverlust der EU bei Euro-Austritt Athens

Berlin/Athen – Der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis hat seinem deutschen Amtskollegen Wolfgang Schäuble vorgeworfen, schon seit Jahren an einem Euro-Austritt Griechenlands zu arbeiten. "Schon 2012 hat Herr Schäuble deutlich gemacht, dass er einen Grexit bevorzugen würde", sagte Varoufakis der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" laut Vorausmeldung.

Die Schuld, dass die Banken in Griechenland geschlossen sind, schob er den Geldgebern zu. "Europa hat beschlossen, uns zu erpressen, damit wir einen Vertrag unterschreiben, der für niemanden gut ist", sagte er.

Varoufakis gibt sich siegessicher

Die Griechen stimmen am Sonntag über die jüngsten Reformvorschläge der Euro-Länder ab, die sie zur Bedingung für die Auszahlung weiterer Milliardenhilfen gemacht hatten. Varoufakis zeigte sich sicher, dass die Griechen mit "Nein" stimmen und es seine Regierung nach dem Referendum noch gibt. "Ich weiß, dass die deutsche Regierung es gerne anders hätte, aber die Griechen wahrscheinlich nicht."

Unabhängig vom Ausgang des Referendums werde es aber am Montag eine Einigung geben, zeigte sich Varoufakis gewiss. Auf ein "Ja" würde nach seinen Worten eine Einigung nach den Wünschen der Geldgeber folgen. "Hören Sie nicht auf diejenigen, die sagen, das Angebot sei vom Tisch – natürlich ist es noch da, denn das ist es ja, was sie wollen", sagte Varoufakis.

Langwierige Gespräche erwartet

Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem hatte die Darstellung, es werde eine kurzfristige Einigung geben, als falsch zurückgewiesen. Auch Schäuble erwartet langwierige Gespräche, weil die Griechen einen neuen Hilfsantrag stellen müssten. Das alte Hilfsprogramm lief am Dienstag aus.

Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier warnte unterdessen mit Blick auf das Referendum in Griechenland am Sonntag vor gravierenden Folgen eines Ausscheidens des Landes aus der Eurozone. "Selbst wenn wir eine solche Entwicklung finanz- und währungspolitisch bewältigen können, wäre das Signal eines 'Grexit' an die Länder außerhalb der EU verheerend", sagte Steinmeier dem Berliner "Tagesspiegel am Sonntag". Europa würde dann "in Teilen der Welt an Ansehen verlieren und Glaubwürdigkeit einbüßen". China, Indien und die USA beobachteten genau, ob die Europäer diese Krise meisterten oder an der Herausforderung scheiterten. Für den Fall des Grexits gelte: "Europa würde in Teilen der Welt an Ansehen verlieren und Glaubwürdigkeit einbüßen."

Das Verhalten der griechischen Regierung kritisierte Steinmeier erneut scharf. Es sei "eine Mischung von Unerfahrenheit, Ideologie und radikaler Rhetorik, mit der die griechische Regierung Verhandlungen in die Sackgasse getrieben" habe. Dabei sei auf der Strecke geblieben, was der Kurs für die Griechen bedeute. Nach einem "Nein" beim Referendum werde es noch schwerer, einen Kompromiss zu finden. (APA/Reuters, 4.7.2015)

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