Wie eine Website 50.000 Besucher zum Schlange stehen bringt

3. Juli 2015, 18:36
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"Most Exclusive Website" gibt Usern nur einzeln Zugriff, Verknappung soll Wert von Internet als offenes Medium zeigen

Menschen stellen sich bisweilen für viele Dinge in langen Schlangen an. Und meistens gilt: Je exklusiver, desto beharrlicher wird sich eingereiht und abgewartet, bis man zum Zug kommt. Ein Prinzip, das sich Wochenende für Wochenende vor den Eingängen renommierter Clubs beobachten lässt, besonders wenn sie auch bekannter Anlaufort für Prominente sind.

Auch die Technikwelt kennt das Phänomen. Willige Kunden standen einst für Windows 95 zu Mitternacht an, campieren zum Verkaufsstart neuer iPhones vor Apple Stores oder drängen sich vor Elektronikmärkten, um eine neue Konsole möglichst schnell ihr Eigen nennen zu können. Ein neues Webseitenprojekt beweist nun, dass sich Nutzer auch dazu bringen lassen, virtuell anzustellen.

Exklusiv-Zugang für 60 Sekunden

"Most Exclusive Website" nennt sich die Seite recht eindeutig. Ihre Aufmachung ist dabei ähnlich spartanisch wie das mittlerweile zu Ende gegangene "The Button"-Experiment von Reddit. Das Prinzip ist relativ einfach: Jeder Besucher der Seite kann ein digitales Ticket ziehen und wartet auf den "Aufruf" seiner Nummer.

Der Zutritt zum Inhalt der Seite wird allerdings nur einer Person auf einmal gewährt. Wer an der Reihe ist, darf sich 60 Sekunden lang im gesperrten Bereich umsehen, ehe die nächste Person an der Reihe ist. Eine Anmeldung ist zur Teilnahme nicht erforderlich, allerdings wird dafür viel Geduld vorausgesetzt. Denn wer das Browserfenster oder den Tab schließt, muss sich beim nächsten Aufruf der "exklusivsten Webseite" wieder ganz hinten anstellen.

Spätstarter mit Botschaft

Mit steigendem Bekanntheitsgrad hat sich die Schlange vor dem virtuellen Eintritt deutlich vergrößert. War sie vor wenigen Tagen nur wenige tausend Nutzer lang, waren es am Freitagabend bereits über 30.000, auch über 50.000 wurden schon beobachtet. In der Realität würde sich ein solcher Menschenstau bereits über zahlreiche Häuserblöcke erstrecken. Der Ansturm hat die Server bereits fallweise in die Knie gezwungen.

Entdeckt wurde das Projekt aber erst spät, denn online ist die Seite bereits seit März. Laut ihrem Erschaffer, Justin Foley, haben aber nur die wenigsten Teilnehmer die Geduld, auf ihren Eintritt zu warten – nämlich nur einer von neun.

Wie er gegenüber der Washington Post verrät, geht es ihm um eine Botschaft. Er wolle den Wert des Internets als offenes und gleichberechtigt zugängliches Medium aufzeigen und hat sich daher entschlossen, eine Seite zu entwickeln, die die genaue Antithese dieses Konzepts darstellt.

Netzneutralität

Relevant ist dieses Argument etwa, wenn es um Netzneutralität geht. Während die US-Regulierungsbehörde FCC strenge Regeln zum Schutze der Netzneutralität erlassen hat, setzt der aktuelle Entwurf, der den Verhandlungen des EU-Trilogs zwischen Regierungen, EU-Parlament und Kommission entsprungen ist, ihre Prinzipien aufs Spiel.

Was genau sich hinter dem Eingang der "Most Exclusive Website" befindet, wird an dieser Stelle nicht preisgegeben. Nur so viel sei verraten: Es wird tierisch. (gpi, 03.07.2015)

  • Zehntausende User warten auf den Zutritt zur "Most Exclusive Website".
    screenshot: most exclusive website

    Zehntausende User warten auf den Zutritt zur "Most Exclusive Website".

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