Philosophisches Duett: Kafka, Kästner, Bernhard

3. Juli 2015, 18:48
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Die Salzkammergut-Festwochen Gmunden bieten unter anderem einen Dialog zwischen Peter Sloterdijk und Franz Schuh

Gmunden – Die Region rund um den Traunsee ist mit Ausstellungen, Lesungen, Diskussionen, Filmen, Klassik-, Jazz- und Popkonzerten Schauplatz der Salzkammergut-Festwochen Gmunden. Heute, Samstag, wird das Festival offiziell eröffnet (Stadttheater, 19 Uhr).

Die Rede hält Philosoph Peter Sloterdijk, der als Co-Moderator des Philosophischen Quartetts einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde. Mit zahlreichen Publikationen – zuletzt etwa Die schrecklichen Kinder der Neuzeit (Suhrkamp, 2014) – und Feuilletonbeiträgen kommentiert er Gott und die Welt, greift polemisch in aktuelle Debatten ein und steht – obwohl altersmäßig ein 68er – in der Tradition von Nietzsche und Hegel. Ein ebenso gescheiter wie umstrittener Zeitdiagnostiker wie sonst nur noch sein nicht minder berühmter Kollege Slavoj Zizek.

Für Sloterdijk ist seine Disziplin – im Unterschied zum 19. und frühen 20. Jahrhundert – marginalisiert worden. Die Gesellschaft würde heute "nicht mehr an die weltbewegende Macht von Theorien glauben". Stattdessen regieren Geld, Information, Digitalisierung und "Big Data" unser Leben. Philosophie sei aber "Small Data", so der Denker.

Am Sonntag wird er mit dem Wiener Kulturkritiker Franz Schuh im Klostersaal Traunkirchen ein Gespräch "über ästhetische und politische Urteilskraft" führen. Der Diagnose, dass sich die Welt heutzutage in einer prekären Schieflage befindet, mögen wahrscheinlich beide zustimmen, ansonsten dürfen beim intellektuellen Gipfeltreffen unterschiedliche Meinungen erwartet werden.

Schuh, der in seinem Buch Sämtliche Leidenschaften (Zsolnay, 2014) kluge Reflexionen über Freddy Quinn, Hans Albers, Peter Kraus, erste TV-Highlights, Liebe, Trennung und Einsamkeit angestellt hat, wird dann am Montag aus Franz Kafkas Erzählung Ein Bericht für eine Akademie (1917) lesen: Ein bei einer Afrika-Expedition gefangen genommener Affe erzählt, wie er es schaffte, dem Käfig zu entkommen. Nämlich durch Verwandlung, Selbstverleugnung sowie mittels perfekten Nachahmens wird er zu einem Menschen.

Am Dienstag schließlich liest Otto Brusatti aus Kafkas Schloss, mittwochs Rainer Stach aus der Biografie Franz Kafka – Die frühen Jahre (S. Fischer, 2014). Im Anschluss diskutiert Schuh mit dem Autor. Weitere Programmschwerpunkte sind Erich Kästner, Peter Rosei und Thomas Bernhard gewidmet. (Gerhard Dorfi, 3.7.2015)

4. 7. – 16. 8.: Gmunden, Traunkirchen, Altmünster, Ebensee, Ohlsdorf

festwochen-gmunden.at

  • Der deutsche Philosoph Peter Sloterdijk wird am heutigen Samstag die Salzkammergut-Festwochen Gmunden eröffnen.
    foto: imago / manfred siebinger

    Der deutsche Philosoph Peter Sloterdijk wird am heutigen Samstag die Salzkammergut-Festwochen Gmunden eröffnen.

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