Handel in Österreich: Die Stunde der Sanierer

3. Juli 2015, 17:50
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Baumax will das Österreich-Geschäft bis Ende September verkaufen. Humanic plant, Diskonter bis Jahresende abzustoßen. Auch bei Kika und Palmers wird umgerührt

Wien – Im Einzelhandel bleibt kein Stein auf dem anderen. Seine Umsätze sinken in Österreich heuer bereits zum dritten Mal in Folge. Wachsender Einkauf übers Internet schwächt die Filialgeschäfte. Altlasten aus zu starker Osteuropaexpansion zehren zusätzlich an den Kräften. Die Folge: Konzerne, die jahrzehntelang als unsinkbare Schiffe galten, kommen mit ihren Kosten nicht mehr zurande. Quer durch die Branchen wird saniert, umstrukturiert und verkauft.

Bis Jahresende etwa will Leder & Schuh seine Diskonter Jello und Shoe4You abgestoßen haben, erfuhr der STANDARD aus Verhandlungskreisen. Für die Abwicklung des Verkaufs wurde der internationale Berater Lincoln engagiert. Der Grazer Familienkonzern will sich wie berichtet auf seine Kernmarke Humanic konzentrieren.

Scharfer Sparkurs

Seine Ziele für Margen und Umsätze hat Leder & Schuh im Vorjahr verfehlt, heißt es intern. Von üblichen Benchmarks der Schuhbranche sei man nach wie vor entfernt. Dafür wurde mehr gespart als geplant, vor allem bei Zentralkosten: beim Personal, bei der Logistik und in der Werbung.

Den Schritt gibt Konzernchef Werner Weber vor. Der Sanierer arbeitete zuvor für den Industriellen Josef Taus bei Libro und Pagro mit, ehe er bei Niedermeyer einstieg. Die Elektrokette sperrte vor zwei Jahren zu. Einen Zeitplan für die Trennung von den Schuhdiskontern nennt er nicht – in der Regel brauche es dafür aber neun bis zwölf Monate, sagt er. Was die Bilanz 2014 betrifft, wurden aus seiner Sicht alle Ziele erreicht. Offen bleibt aber, meinen Beobachter, wie nachhaltig der zuletzt erreichte operative Gewinn ist.

Endspurt der Investoren

Nägel mit Köpfen macht diesen Sommer Baumax. Bis Ende September soll für die insgesamt 65 Baumärkte in Österreich ein neuer Eigentümer gefunden und der entsprechende Vertrag unterzeichnet sein, ist aus Bankenkreisen zu hören. Der Verkauf der 24 Filialen in Tschechien und 14 in der Slowakei soll bis Ende Juli unter Dach und Fach sein. Das Closing ist nun für Jahresende angesetzt. Als Bieter werden seit langem die französische Adeo-Gruppe, die britische Kingfisher wie der deutsche Mitbewerber Obi gehandelt.

Bei Baumax selbst wird der Verkaufsprozess nicht kommentiert. Nur so viel: Gespräche werden geführt. Ziel sei es, die Restrukturierung bis spätestens Ende September 2016 zu finalisieren.

Hohe Rabatte

Aus Perspektive der Banken soll Baumax gut im Plan liegen. Zumal bei allen Töchtern in Osteuropa, die bisher abgestoßen wurden, die erwarteten Erlöse erzielt wurden. Als Schwachstelle gilt jedoch die Entwicklung des Umsatzes: Dieser lasse sich derzeit fast nur über hohe Rabatte stabil halten, erzählen in die Sanierung Involvierte. Starke Aktionspolitik soll Kunden für neue Investoren bei der Stange halten. Die Marge aber leide.

Die Bau- und Heimwerkerbranche sei ein schwieriger, von Aktionen getriebener Markt, sagt Baumax-Sprecherin Monika Voglgruber. Der Konzern habe heuer dennoch Marktanteile gewonnen, etwa durch neue Sortimente.

Schwache Umsätze

Bereits in internationaler Hand ist Leiner/Kika. Seit zwei Jahren hat in ihren Einrichtungshäusern der Marktriese Steinhoff das Sagen. Und er tut dies mit harter, professioneller Hand, wie Geschäftspartner beobachten. Lieferanten, die vom umfassenden Umbau des Sortiments betroffen sind, berichten aber auch hier von anhaltend sinkenden Umsätzen. Kika weist für 2014 einen Bilanzverlust von gut 28 Millionen Euro aus, Leiner verbuchte 17 Millionen, die Töchter im Osten 35 Millionen Euro.

Bisher hat Steinhoff alle Standorte in Österreich gehalten. Der schleichende Jobabbau, der vor allem Ältere betrifft, setzt sich dem Vernehmen nach dennoch fort.

Steinhoff selbst arbeitet an einer Börsenstory. Die Gruppe will im Herbst von Johannesburg an den Finanzplatz Frankfurt wechseln. Ihr Börsenwert: rund 20 Milliarden Euro. Leiner/Kika hat der Konzern gesplittet, geht aus seinem Finanzbericht hervor: Konkret in einen operativen Teil, der sich in einer sogenannten Genesis Holding wiederfindet – und einen, der sämtliche Immobilien besitzt und Steinhoff direkt untergeordnet ist. Auch in das jüngste Update für Investoren der Gruppe fand die Akquisition in Österreich lediglich als Immobilie Eingang.

Die Geschäfte von Leiner/Kika führt seit rund drei Monaten Gunnar George. Der Deutsche gilt als erfahrener, öffentlich zurückhaltender Sanierer. Für Stellungnahmen war er nicht erreichbar.

Frage des Preises

Bewegung kommt in den Verkauf von Palmers. Über Jahre soll die Preisvorstellung der aktuellen Eigentümer zu hoch gewesen sein, erzählt man in der Branche. Nun könnte es die Wäschekette für strategische Investoren günstiger geben; laut "Kurier" bieten sich österreichische Manager an. Sanierer Taus ist nicht darunter. Das Textilgeschäft werde, wie er sagt, nicht von lokalen, sondern von internationalen Playern bespielt. (Verena Kainrath, 4.7.2015)

  • Baumax: Restrukturierung gut im Plan, aber schwache Margen.
    apa / herbert pfarrhofer

    Baumax: Restrukturierung gut im Plan, aber schwache Margen.

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