Wort der Woche: Grexit, Grexident, Grimbo

Kolumne3. Juli 2015, 20:52
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Ein bunter Wortsalat für eine undurchschaubare Situation

Bekäme er jedes Mal, wenn Grexit geschrieben wird, einen Cent, Ebrahim Rahbari wäre steinreich. Darben wird der bei der Citigroup tätige Nationalökonom auch so nicht. Weil neu erfundene Worte aber nicht urheberrechtsfähig sind, muss er sich für den von ihm ausgeheckten Grexit (2011) mit dem Ruhm begnügen.

Grexit besteht aus den Initialen von Greece und aus Exit, dem lateinischen Ausgang. "Kofferwort" oder "Porte-Manteau-Wort" nennen die Linguisten eine solche Mixtur aus zwei Wörtern bzw. Wortbestandteilen. Der Grexit ist ein Kofferwort, das offenbar jedermanns Wortbildungsgelüste aufs Äußerste anfacht.

foto: foto: ap/stavrakis


Naheliegend war die Idee, dem Exit die Initialen anderer Euro-Austrittsverdächtiger anzukleben: Brexit für die Briten, in Paris denkt Marine Le Pen laut über den Frexit nach, den Fixit (Finnish Exit) behirnte man zeitweilig in Helsinki, und in Österreich debattiert man auf Twitter unter dem Hashtag #öxit das Volksbegehren zum EU-Austritt.

In den Grexit-Koffer ist indes ein weiteres Wort, der "Accident", eingepackt worden: Mit Grexident (auch Graccident) meint man einen Grexit, der durch Unfall oder Zufall zustande kommt. Um die Konfusion perfekt zu machen, hat Grexit-Erfinder Rahbari jetzt noch das Kunstwort Grimbo zur Beschreibung der undurchsichtigen Lage in die Debatte geworfen (aus Greece und limbo; to be in limbo – in der Schwebe sein). Grexit, Grexident, Grimbo: Ein Wortsalat, an dem auch Groucho Marx seine helle Freude gehabt hätte. (Christoph Winder, 3. 7. 2015)

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