Übliches Prozedere trotz Klagsdrohung

3. Juli 2015, 16:59
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Kunstrückgabebeirat vertagt Beratung zur Causa Fritz Grünbaum

Wien – Anfang Juni kündigte Herbert Gruber namens der Grünbaum-Erben eine Klage gegen die Republik Österreich vor einem US-Gericht an. Insofern war die Empfehlung des Kunstrückgabebeirats zu zwei im Bestand der Albertina befindlichen Schiele-Arbeiten dieser Provenienz mit Spannung erwartet worden. Allein, die Beratung in dieser als kompliziert geltenden Causa wurde in der gestrigen Sitzung in den Herbst vertagt.

Es geht um Kunstwerke, die einst dem Kabarettisten Fritz Grünbaum gehörten, der 1938 nach Dachau deportiert und dort 1941 ermordet worden war. Seine Schwägerin Mathilde Lukacs soll – obwohl nicht erbberechtigt – von 1952 an Teile der Sammlung verkauft haben, darunter 72 "Schieles". Die zeitliche Lücke zwischen 1938 und 1956 wurde in den vergangenen Jahren erforscht. Das vorläufige Ergebnis: eine Beschlagnahme oder Verwertung war nicht nachweisbar, die Kollektion dürfte im Verfügungsbereich der Familie geblieben sein.

Kunstwerke aus dem Besitz Grünbaums befinden sich etwa auch im Art Institute in Chicago, dem Museum of Modern Art und der Neuen Galerie (beide New York). Auch das Leopold-Museum (LM) besitzt mehrerer Werke, die dieser Provenienz zuordenbar sind: drei davon nachweislich (u. a. das Gemälde Tote Stadt III), fünf mutmaßlich. Zu diesem Bestand kam das Gremium unter Nikolaus Michalek 2010 zu dem Schluss, dass ein Tatbestand im Sinne des Kunstrückgabegesetzes nicht feststellbar sei.

Ob sich die Empfehlung des Beirats daran orientieren wird, ist ungewiss. Das in der Albertina erarbeitete Dossier wurde der Kommission vor einigen Wochen übergeben. Das läge doch seit Jahren in der Schublade, mokiert sich Genealoge Gruber auf Nachfrage und bestätigt Vorbereitungen zur Klage in den USA. Im Mittelpunkt stünde der LM-Bestand, und derzeit sei er etwa damit beschäftigt, "jene Dokumente zusammenzutragen, die belegen, dass es hier um Eigentum der Republik geht", das dem Kunstrückgabegesetz unterliege.

Für ihn weiters ein eindeutiger Fall von Raubkunst. Dem widersprach das Leopold-Museum mit Verweis auf die Michalek-Entscheidung. Sollten neue Dokumente auftauchen, werde man sich damit befassen. (Olga Kronsteiner, 3.7.2015)

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